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herzrosenduft

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19.10.2016, 08:44

Ich habe da was gelesen von einer Unterschriftenliste, die da herumgeht. Es geht im Prinzip um Amoris Laetitia und gegen den Papst. Ich frage mich, was das wohl für Leute sind, die es innerhalb der Kirche wagen öffentlich gegen den Papst aufzutreten!
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Der Papst betont die Wichtigkeit eines „christlichen Stils“ der Präsenz auch in der digitalen Welt:

„Dieser verwirklicht sich in einer Form
aufrichtiger und offener, verantwortungsvoller und dem anderen gegenüber
respektvoller Kommunikation“.

herzrosenduft

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21.10.2016, 21:03

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - 18,9-14.

In jener Zeit erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Beispiel:
Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.
Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
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21.10.2016, 21:33

Leider ist es eine Tatsache, dass viele Ehen nicht ideal verlaufen und scheitern und dass dann neue Lebenspartnerschaften eingegangen werden. Natürlich kann man auf die ideale Ehe hinweisen. Aber darf ich dann die wiederverheiratet Geschiedenen einfach so stehen lassen? Wir müssen doch gemeinsam mit ihnen überlegen, wie sie wieder die Richtung auf Gott hin einschlagen und sich auf Gott hin neu orientieren können.
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herzrosenduft

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23.10.2016, 14:05

Ich kenne ein älteres Paar. Beide gehen zusammen regelmäßig zum Gottesdienst, aber sie gehen nie zur Kommunion. Der Mann ist von seiner ersten Frau getrennt und diese beiden leben ohne kirchlichen Trauschein zusammen. Und ich kenne eine einzelne Frau , die regelmäßig den Gottesdienst besucht, die aber ohne kirchlichen Trauschein mit einem Mann zusammenlebt, dessen erste Ehe auseinandergegangen ist. Sie geht regelmäßig zur Kommunion. Gerne möchten ich diesen Mitmenschen zuhören, was sie aus ihrem Leben und ihren Erfahrungen zu berichten haben.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »herzrosenduft« (24.10.2016, 08:30)


herzrosenduft

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23.10.2016, 16:32

Wenn ich mir das alles so überlege, dann muss ich froh und dankbar sein, dass ich selber nicht in eine solche Situation hineingeraten bin. Das kann doch ganz schnell jedem passieren. Heute ist das doch nichts Unwahrscheinliches. Ich kann das nur unterstützen, wenn man sich in der Seelsorge ganz besonders um diese Menschen kümmert. Sie sind durch ihr Schicksal schon bestraft genug. Ich meine immer, dass es die Katastrophe des Lebens ist, wenn eine Ehe schief geht und auseinanderbricht.
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20.11.2016, 11:16

Kardinäle bitten Papst um Klärung zu Wiederverheirateten

siehe http://de.radiovaticana.va/news/2016/11/…ateten_/1272089

Parallel dazu dieser Beitrag http://kath.net/news/57511 über eine Stellungnahme von Kardinal Burke, der zu diesen Kardinälen gehört.
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21.11.2016, 08:34

Kardinäle bitten Papst um Klärung zu Wiederverheirateten

siehe http://de.radiovaticana.va/news/2016/11/…ateten_/1272089

Parallel dazu dieser Beitrag http://kath.net/news/57511 über eine Stellungnahme von Kardinal Burke, der zu diesen Kardinälen gehört.[/quote]

und die Reaktion des Papstes: http://kath.net/news/57517
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22.11.2016, 20:12

Eigentlich wollte ich es schon lange gefragt haben: Immer dreht sich alles um die Wiederverheiratet-Geschiedenen. Weil sie im ständigen Ehebruch leben, dürfen sie nicht zur Heiligen Kommunion gehen. Aber was ist denn mit denen, die Homosexualität praktizieren? Auch sie leben in Todsünde und dürfen nicht zur Kommunion gehen. Was ist mit denen, die vor der Ehe Verkehr miteinander haben? Was ist mit denen, die ohne Trauschein zusammenleben? Was ist mit denen, die ausserhalb der Ehe Verhältnisse haben? Was ist mit denen, die sonntags nicht mehr regelmäßig zum Gottesdienst gehen? Sie alle leben doch in Todsünde! ... Warum wird darüber überhaupt nicht gesprochen, während man bei den Wiederverheiratet-Geschiedenen mit der Diskussion nicht zuende kommt?
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129

30.11.2016, 17:37

Eigentlich wollte ich es schon lange gefragt haben: Immer dreht sich alles um die Wiederverheiratet-Geschiedenen. Weil sie im ständigen Ehebruch leben, dürfen sie nicht zur Heiligen Kommunion gehen. Aber was ist denn mit denen, die Homosexualität praktizieren? Auch sie leben in Todsünde und dürfen nicht zur Kommunion gehen. Was ist mit denen, die vor der Ehe Verkehr miteinander haben? Was ist mit denen, die ohne Trauschein zusammenleben? Was ist mit denen, die ausserhalb der Ehe Verhältnisse haben?
Ein Teil der Antwort gibst Du ja selber: "Ständiger Ehebruch", also eine Art Dauerzustand. Fremdgehen oder ein Bordellbesuch ist zwar auch Ehebruch, aber geht man nicht mehr ins Bordell, ist die Sünde eine Vergangenheit, die Gott schon durch die bloße Reue vergibt. Auch, wenn man später vielleicht wieder rückfällig wird.
Das Verhältnis zum standesamtlichen Zweitehepartner muß hingegen aktiv geändert werden. Man muß sich zivilrechtlich scheiden lassen (es wird zwar behauptet, es würde reichen, wenn man mit dem zivilrechtlichen Ehepartner keine eheliche Lebensgemeinschaft im Bett mehr führt, aber strenggenommen hat der zivilrechtliche Ehepartner einen zivilrechtlichen Anspruch auf genau das).

Aber ich glaube, die Sache ist aus einem anderen Grund noch besonders brisant: Hier widersprechen sich nämlich kirchliche und (behauptete) staatliche Gerechtigkeit. Insbesondere für Menschen, denen es leichter fällt, an den rundumversorgenden Staat als an Gott zu glauben, ist so etwas ein arges Ärgernis. Man muß sich hier aber vor Augen führen, daß es der Staat war, der sich eine eigene Ehegesetzgebung angemaßt hat, und zwar (in Deutschland) erst zu Bismarcks Zeit. Wie bizarr diese staatliche Anmaßung ist, kann man daran sehen, daß kein (zivilrechtlich verheirateter) Ehepartner den Beischlaf mit seinem Partner einklagen kann, obwohl genau das doch sein zivilrechtlicher Anspruch sei.

Was ist mit denen, die sonntags nicht mehr regelmäßig zum Gottesdienst gehen? Sie alle leben doch in Todsünde!
Das stimmt nicht ganz. Die Sonntagspflicht ist als Kirchengebot gegenüber allen anderen Ge- und Verboten nachrangig, die vom Herrn selber stammen. So zwangsläufig ist der unterlassene Sonntagsgottesdienst also keine Sünde. Das andere hingegen, Ehebruch in all seinen Spielarten, ist eine in sich böse Tat, die niemals und unter keinen Umständen gerecht sein kann.

Darauf zielt übrigens auch die offene Frage der Kardinäle Burke, Brandmüller, Caffarra und Meisner zu Amoris Laetitia ab.

130

10.01.2017, 15:59

Woran erkennt man, dass man die "vollständige" Auskunft hinsichtlich moraltheologischer Frage erhalten hat bzw. wie stellt man das sicher?

(@mod: bitte zu eigenem Thread machen, falls erforderlich, da es strenggenommen nicht AL im Speziellen betrifft, die Frage ergab sich nur aufgrund eines kath.net Beitrags über AL)

http://kath.net/news/58084

"Übersetzt in eine etwas einfachere Sprache heißt das: Der Beichtvater
muss einem Beichtenden, der sich einer bestimmten Schuld überhaupt nicht
bewusst ist (obwohl sie objektiv besteht), nicht notwendig darauf
hinweisen. Wenn zum Beispiel die Gefahr besteht, dass dieser dann (wegen
gefühlter oder tatsächlicher Überforderung) weiter sündigt – aber jetzt
zusätzlich auch noch wissentlich –, kann der Priester ihn davor
bewahren. Das gilt natürlich noch mehr, wenn ein solches Gespräch
außerhalb der Beichte vonstatten geht oder wenn der Suchende wegen der
(gefühlten oder tatsächlichen) moralischen Überforderung sich ganz vom
Glaubens abwendet. Das ist keine Moraltheologie – sondern pure Pastoral:
Der Beichtvater darf die »heilige Unwissenheit« eines Menschen für eine
gewisse Zeit bestehen lassen und ihn erst einmal auf andere Sünden
hinweisen, die ihm helfen, die ganze Wahrheit und seine ganze Situation
zu erfassen und zu ändern."

Es ist also in der Beichte (und natürlich auch anderswo) möglich, dass der Beichtvater bzw. der über die katholische Lehre kundige Befragte, Informationen, die objektiv für einen Sachverhalt relevant wären, nicht erwähnt, um den Beichtenden/Fragenden in der "heiligen Unwissenheit" zu belassen, um somit Schwere/Zahl seiner Sünden zu minimieren.

Also z.b. wenn A den Beichtvater B auf mit einem "Klasse, dass aufgrund von Amoris Laetitia endlich wieder wiederverheiratet geschiedene wieder zur Beichte und zur Kommunion gehen können; meine Frau und ich sind ebenfalls wiederverheiratet und geschieden und finden das so toll, dass wir jetzt bis der Sargnagel den Deckel schließt keinen einzigen Sonntag mehr die Messe verpassen werden und unsere 4 Kinder werden jetzt auch so schnell wie möglich getauft werden und soweit katholisch erzogen werden, wie das jetzt noch zu retten ist; würde AL das doch nicht erlauben, würden wir wie bisher weiter nie einen Fuß in eine Kriche setzen; aber nicht so wichtig, jetzt will ich erstmal alle meine Sünden beichten, damit zwischen mir und Gott alles im Reinen ist; zum Glück muss ich wegen dem Sex mit meiner Frau nichs mehr beichten, denn den werde ich garantiert nicht sein lassen, muss ich auch gar nicht mehr; meine Sünden sind ..." aufsucht, wird B A vielleicht darufhinweisen, dass das ein etwas komischer Beichtbeginn ist, vielleicht nochmal kurz ansprechen, mit welcher Einstellung A zur Beichte kommen sollte, wie die ablaufen soll, etc.; was B aber eventuell nicht tun wird, ist den A daraufhinweisen, dass AL eher nicht so zu interpretieren ist, dass es wirklich egal ist, was alles zwischen A und seiner zivil verheirateten Frau alles passiert; das schneidet B dann vielleicht sehr vorsichtig in zukünftigen Gesprächen an, um dem A da zu einem besseren Verständnis zu verhelfen.

Ich finde das etwas irritierend; aber ist nicht mein Job, also muss ich darüber nicht unbedingt urteilen.

Aber diese "heilige Unwissenheit" könnte ja prinzipiell bei allem relevant sein, womit immer die Möglichkeit bestünde, dass der Beichtvater etwas eigentlich relevantes nicht erwähnt, weil er meint es sei für das Seelenheil des Fragenden besser.

Womit sich meine Frage ergibt:
Wie kann man erkennen, dass einem etwas objektiv eigentlich relevantes gerade verschwiegen wird?
Bzw. wie kann man in Beichte oder auch außerhalb das ganze so angehen, dass man bezüglich einer bestimmten Sache sicher geht, dass einem wirklich absolut gar nichts objektiv relevantes verschwiegen wird?

Es kann nämlich mal sein, dass ich etwas richtig machen muss; nicht nur richtig vor meinem eigenen lausigen Gewissen und in Anbetracht von dem was ich weiß und was mir ein Beichtvater dazu alles sagt; sondern richtig richtig, so dass an der spezifischen Handlung selbst möglichst absolut kein Fehl und Makel ist; dafür wäre es aber schädlich, wenn mich da jemand in "heiliger Unwissenheit" bezüglich objektiv relevanter Umstände belassen will.

(Ich will jetzt nicht konkret irgendwas nennen; vor allem da ich es selber nicht genau weiß, sondern eher die diffuse Sorge habe, dass ich eines Tages etwas wirklich richtig machen muss und ich dann keinesfalls "heilige Unwissenheit" riskieren möchte).

Mir fällt spontan nur ein, mich selbst möglichst kundig zu machen und dann ggf. konkret nachzufragen, um ggf. die Möglichkeit zu verbauen, mich durch Verschweigen in "heiliger Unwissenheit" zu belassen.

(Und ja, ich frage hier in diesem Forum nach, da ich natürlich fürchten muss, dass wohlmeinende Katholiken versuchen könnten, mich in Bezug auf die "heilige Unwissenheit" in "heiliger Unwissenheit" zu belassen, damit in Zukunft Beichtvätern dieses Mittel für mein Seelenheil nicht verbaut ist; wäre aber nicht nötig, da ich die Möglichkeit "heiliger Unwissenheit" ja nur dann zu Nichte machen will, wenn ich mir sicher bin, dass das "heilige Unwissenheit" gerade konkret keine Option ist; und ich hoffe halt, dass hier im Forum einige das nachvollziehen können, dass man manchmal wirklich wissen will und vielleicht auch muss, was nun exakt Lehre der Kirche ist).

Danke für Antworten.

herzrosenduft

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131

10.01.2017, 17:30

@scheinfrager

Wer kann in dem heutigen Durcheinander überhaupt noch objektiv feststellen, was Sünde (mit allem was Sünde zur schweren Sünde macht) ist? Sünde ist einfach nicht gleich Sünde. Es gilt immer zu unterscheiden inwieweit der Sünder schuldhaft sündigt. Das lesen wir doch schon im Evangelium. Für die gleiche Sache bekommt der eine viele Schläge und der andere wenig Schläge. (Abgesehen davon, dass dann doch beide Schläge bekommen)

"Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen.
Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen.
Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man um so mehr verlangen."

Siehe Lk 12, 39ff

Ich bin überzeugt davon, dass durch das Wort Gottes in der heiligen Schrift objektiv feststeht, dass Ehebruch Sünde ist. Da gibt es nichts dran zu rütteln!

Das nächste: Die Kirche lehrt, wer in schwerer Sünde zur Kommunion geht, begeht erneut eine schwere Sünde. Aber: Leben wiederverheiratet Geschiedene automatisch in schwerer Sünde?
Für die schwere Sünde sind drei Bedingungen erforderlich: a) Es handelt sich um eine schwerwiegende Sache, b) die Folgen der Sünde, nämlich der Bruch mit Gott, wird klar erkannt, und c) die Tat geschieht dann mit vollem Einverständnis.
So, wer kann dann jemals überhaupt als Mensch von aussen sehend sagen, wer eine schwere Sünde begangen hat und wer nicht. Man kann hier bestenfalls auf Nummer sicher gehen und die Angelegenheit vorsichtshalber als schwere Sünde behandeln, damit der Verlust des Ewigen Lebens für den Sünder auf jeden Fall ausgeschlossen ist. Es gibt diesbezüglich eine Mitverantwortung gegenüber dem Sünder. Wir sind alle verpflichtet den Sünder auf seine schwere Sünde hinzuweisen, weil wir dementsprechend selber einmal zur Rechenschaft gezogen werden. Hierzu habe ich folgende Abhandlung gefunden: http://www.kath.net/news/20767

Aber gibt es nicht genauso diejenigen, die vor der Ehe zusammenleben, die ohne Trauschein zusammenleben, die Homosexualität praktizieren (und da sind betroffene Priester, Bischöfe und Kardinäle nicht ausgenommen)? Alles Aufgezählte ist ebenfalls schwere Sünde vor Gott. Wenn man den wiederverheiratet Geschiedenen unter gewissen Bedingungen zugesteht die heilige Kommunion zu empfangen, dann müsste man doch auch... und wo endet dann die ganze Sache...? Unausdenklich...
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Thaddäus Öllenstroth

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132

13.01.2017, 10:55

@scheinfrager

Ich weiß nicht, ob ich Deine Frage treffe, doch will ich sie von einer anderen Seite angehen:

In Deutschlands katholischer Kirche scheint es mir zwei Gottesbilder zu geben, die nicht mit dem übereinstimmen, wie ich persönlich Gott seit meiner Erstbekehrung vor etwas über 27 Jahren erlebe.

Das eine Gottesbild ist die Entsprechung der Darstellung eines alten Mannes mit weißem Bart, der mit mildem Lächeln auf die Welt schaut und eine Ausstrahlung hat, daß am Ende sowieso "Alle, alle in den Himmel " kommen. So ein bißchen senil und hilflos und auf jeden Fall irgendwie harmlos.
Piep piep piep, wir ham uns alle liep.

Das andere Gottesbild ist für mich fast noch schlimmer: Gott als jemand, der einen Gesetzeskatalog aufgestellt hat und nun vom Himmel her die Einhaltung der Regeln überwacht. Und seine Anhänger sind dazu aufgerufen, durch möglichst exakte Regelkonformität den großen Diktator gnädig zu stimmen.

Das erste Gottesbild ist in den meisten durchschnittlichen deutschen Pfarreien als vorherrschender Relativismus zu finden. Das zweite Gottesbild fand sich häufig vor dem 2.Vatikanischen Konzil in Deutschland, wie ich mir von meinem geistl. Begleiter habe berichten lassen, und es findet sich im Grunde in noch radikalerer Form im Islam. Beide haben gemeinsam, daß sie Phantasiebilder sind und nicht die Wirklichkeit wiedergeben. Es handelt sich um menschengemachte Götzenbilder.

Das von Dir gewünschte "alles richtig machen" oder befürchtete nicht-alles-richtig-machen trifft nicht den Kern des Glaubensweges, sondern seine Frucht. Bekehrung heißt zunächst mal, dem Herrn den ersten Platz im eigenen Leben zu geben. Und im gleichen Maß, wie ich Jesus mein Leben gebe, mich beginne für ihn zu interessieren, in Gemeinschaft und Freundschaft mit ihm leben will, wächst auch die Bereitschaft, zu denken, wie Gott denkt, zu fühlen, wie Gottes Herz fühlt und das Leben zu sehen, wie er es sieht. (Das neutestamentliche Wort für Umkehr, metanoia, bedeutet übersetzt Umdenken).
Ich habe in all den Jahren niemanden kennengelernt, der in einer echten Gottesliebe lebt und solche spitzfindigen Dinge sagen würde wie
zum Glück muss ich wegen dem Sex mit meiner Frau nichts mehr beichten, denn den werde ich garantiert nicht sein lassen, muss ich auch gar nicht mehr; meine Sünden sind ..."
Niemand, der liebt, versucht auf diese Weise den Geliebten zu verarschen.
Die Christen, mit lebendigem Glauben, die ich kenne, würden im analogen Fall eher so beichten: "Jesus, ich weiß, das war letzte Nacht wieder nix. Es tut mir
so leid. Ich bin wieder gefallen, und ich bitte dich, daß du mir hilfst, in dieser verzwickten Situation eine Lösung zu finden. Ich weiß, daß es Sünde ist, was ich tu, doch ich schaffe es nicht, das zu ändern. Bitte, hilf mir und zeig mir einen Weg".

Ich bin nicht einverstanden damit, wenn wiederverheiratete Geschiedene eine Sonderbehandlung wünschen, oder Homosexuelle. Wir sind alle Sünder, und wir sind alle gerufen zur Heiligkeit. Also haben wir alle unsere Kämpfe, der eine hier, der andere dort. Ich persönlich z.B. bin ungeduldig und neige mitunter zum Zorn (ich kann richtig wütend werden). Wir sind alle verletzt und brauchen Heilung, der eine mehr, der andere weniger. Wir haben alle unsere Schatten, unsere Abgründe, unsere Dunkelheiten, unsere Begrenzungen. Und unsere einzige Chance ist, Gott, der das Licht ist, in uns hineinleuchten zu lassen, damit der neue Mensch nach und nach, mitunter nach vielen harten Geisteskämpfen, ans Licht kommt.

Die Hl. kleine Therese sagte mal: "Jesus, ich will heilig werden, aber ich spüre meine Ohnmacht und meine Schwäche, und ich bitte dich, sei Du meine Heiligkeit".

Aus dem heraus ergibt es sich für mich, daß ich echte Reue nicht erwecke, indem ich meine Gesetzesverstöße zähle, und auch nicht, indem ich alles als "eigentlich nicht soo schlimm" betrachte. Echte Reue ist Liebesreue: "Jesus, so sehr liebst du mich, und so wenig entspreche ich deiner Liebe".

Das ist das zerbrochene und zerschlagene Herz, von dem der Psalm 51 kündet. Und das ist der Grund, warum ich die Beichte so liebe: Wenn du gut gebeichtet hast, dann bist du nach der Lossprechung ein neugeborener und wiedergeborener Königssohn.

Es geht für mich nicht primär darum, ob ein Mensch vielleicht auf seinem persönlichen Weg zur Heiligkeit irgendwann einmal in einem Zustand zur Kommunion gegangen ist, der im Sinne der Kirche nicht erlaubt ist. Sondern es geht darum, daß er sich auf den Weg der Nachfolge begibt, daß er bereit ist, sein Leben zu ändern und sich darauf einzulassen, daß der Hl. Geist in ihm wohnen will und darauf, daß Gott sein Herz wandeln darf weil Liebe mit Liebe beantwortet wird. Daß er einen Hunger nach Gott entwickelt und in diesem Hunger Buße tut für den alten Menschen.

Gott weiß, ob du es ehrlich meinst oder nicht. Man kann andere belügen, man kann sich selbst etwas vormachen, aber Gott kann man nichts vormachen. Er weiß, ob du auf seine Liebe mit Liebe antwortest oder mit Spitzfindigkeiten. Er allein kennt den Wert deiner Beichte.
Darum denke ich so:
Der Inhalt der Hl. Schrift, das Gesamtpaket der Lehre der Kirche und die Begegnung mit Christus im Hl. Geist ist eine Einheit. Und ich wünsche mir, daß alle Menschen beichthörenden Priestern begegnen wie es mir in 25 Jahren Katholizismus vergönnt war und für deren Dienst ich so dankbar bin wie für nichts anderes auf Erden: Die ein Gespür dafür haben, ob sich ein Mensch vor der Umkehr drücken will oder in seiner großen Armut versucht, aus der Sünde aufzustehen, die mitunter so fest an uns klebt und die so mancher trotz allen Bemühens auch in Jahrzehnten nicht los wird.

Nach den Worten Jesu wird kein I-Punkt des Gesetzes aufgehoben, und gleichzeitig ist er derjenige, der den glimmenden Docht nicht auslöscht und das geknickte Rohr nicht zerbricht.

Und wenn ich so manches Argument in der Diskussion über AL lese, dann vermittelt der Autor ein Gottesbild, wie ich es vorne als zweites geschreiben habe und was es so im Islam gibt. Wäre Gott wirklich so, dann wäre er ein Wesen, das sich kaum einer ernsthaft wünschen würde. Aber er ist angetreten, uns zu retten, und mein Herz frohlockt bei dem Gedanken, daß ich am Ende des Lebens von Gott gerichtet werde und nicht von den Menschen. Denn so manches, was vor den Menschen vielleicht erscheinen mag als schwere Verfehlung, wird sich vor Gott vielleicht als Stachel entpuppen, der dir ins Fleisch gestoßen ist als Diener der Demut.

Ich denke, es wird sich leider nicht jeder retten lassen. Aber verlorenzugehen kostet mehr Anstrengung als gerettet zu werden.
Die Hölle ist nicht leer, doch es sind nur Freiwillige in ihr.

Früher: Leiden ohne zu klagen.
Heute: Klagen ohne zu leiden.

herzrosenduft

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133

13.01.2017, 12:39

Was ist denn Sünde? Vielleicht sollten wir uns zunächst dieser Frage stellen.

Sünde ist für mich sich Gott in irgendeiner Form zu widersetzen. Und man kann sich mehr oder weniger bewusst widersetzen. Und es gibt kleine bis große Dinge, in denen man sich widersetzen kann. Und sich Gott zu widersetzen hat immer Folgen.

Siehe die Erzählung von Sündenfall. Dort wird schön erklärt, wie Sünde "funktioniert".

Gott hat uns seinen Bund in Jesus Christus angeboten. Es liegt an uns diesen Bund anzunehmen und ihn unsererseits zu erfüllen. Und ich glaube genau darum geht es bei dieser Diskussion um das Schreiben "Amoris Laetitia"... :!: :!: :!:
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134

13.01.2017, 15:30

RE: @scheinfrager

Kurze Anmerkung nochmal, mir geht es nicht speziell um die Thematik von AL, sondern allgemein darum, dass manchmal jemand um seiner Selbst Willen in "heiliger Unwissenheit" belassen wird und darum, wie ich dieses vermeiden könnte, wenn "heilige Unwissenheit" gerade keine Option ist.

...
Das von Dir gewünschte "alles richtig machen" oder befürchtete nicht-alles-richtig-machen trifft nicht den Kern des Glaubensweges, sondern seine Frucht. Bekehrung heißt zunächst mal, dem Herrn den ersten Platz im eigenen Leben zu geben. Und im gleichen Maß, wie ich Jesus mein Leben gebe, mich beginne für ihn zu interessieren, in Gemeinschaft und Freundschaft mit ihm leben will, wächst auch die Bereitschaft, zu denken, wie Gott denkt, zu fühlen, wie Gottes Herz fühlt und das Leben zu sehen, wie er es sieht. (Das neutestamentliche Wort für Umkehr, metanoia, bedeutet übersetzt Umdenken).
Ich habe in all den Jahren niemanden kennengelernt, der in einer echten Gottesliebe lebt und solche spitzfindigen Dinge sagen würde wie
zum Glück muss ich wegen dem Sex mit meiner Frau nichts mehr beichten, denn den werde ich garantiert nicht sein lassen, muss ich auch gar nicht mehr; meine Sünden sind ..."
Gott weiß, ob du es ehrlich meinst oder nicht. Man kann andere belügen, man kann sich selbst etwas vormachen, aber Gott kann man nichts vormachen. Er weiß, ob du auf seine Liebe mit Liebe antwortest oder mit Spitzfindigkeiten.

...

Nach den Worten Jesu wird kein I-Punkt des Gesetzes aufgehoben, und gleichzeitig ist er derjenige, der den glimmenden Docht nicht auslöscht und das geknickte Rohr nicht zerbricht.

...

Bezüglich dem Textbaustein aus meinem Beitrag, ich selber denke so nicht; das war lediglich der Versuch eines Beispiels, wo ein Beichtvater auf die Idee kommen könnte, den Beichtenden erstmal in "heiliger Unwissenheit" zu lassen.


Bezüglich "Spitzfindigkeit", ich weiß, dass ich manchmal zu zu viel Spitzfindigkeit neige; und das merkt man mir auch an.

Nun weiß ich aber auch, dass der Augenblick kommen kann, in dem ich meiner Liebe zu Gott genau dadurch Ausdruck verleihe, indem ich dann besonders spitzfindig bin (Spitzfindigerweise muss ich nämlich sagen, dass zwar in der Regel "Spitzfindigkeit" fragwürdig ist, aber in bestimmten wenigen Situation "Spitzfindigkeit" genau richtig ist).

Und deshalb ist in so einem Fall "heilige Unwissenheit" keine Option, weshalb es dann auch ungeschickt wäre, wenn mich jemand, den ich um Rat frage, gerade dann in "heiliger Unwissenheit" belassen will. Denn wenn geboten ist, in einer bestimmten Situation spitzfindig auf jeden "I-Punkt" des immer noch gültigen Gesetzes zu achten, dann sollte man möglichst alle "I-Punkte" kennen.

Thaddäus Öllenstroth

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135

13.01.2017, 21:01

@scheinfrager

Denn wenn geboten ist, in einer bestimmten Situation spitzfindig auf jeden "I-Punkt" des immer noch gültigen Gesetzes zu achten, dann sollte man möglichst alle "I-Punkte" kennen.
Ok, wenn das Dein Anliegen ist, dann will ich Dir gerne sagen, wie ich das mache.
Wie ich schon schrieb, halte ich die lebendige Begegnung mit Jesus Christus für die Basis und Voraussetzung von allem andern; das möchte ich immer mitgedacht wissen (wir sind keine Buchreligion!). Die theoretischen Grundlagen unseres Glaubens:
  • Die Bibel. Außer, daß ich mehrere Bibelausgaben besitze, deren Übersetzung ich ggf. miteinander vergleiche, habe ich mir mal eine Konkordanz gekauft, um auch mal gezielt das Wort Gottes hinsichtlich eines bestimmten Aspektes lesen zu können. Ich habe mir diese zugelegt: hier klicken
  • Der Katechismus ist für einen Katholiken m.E. ein Muß. Er enthält die Lehre der Kirche, und man kann anhand des Registers nach entsprechenden Begriffen suchen (z.B. Unauflöslichkeit der Ehe). Ich benutze den KKK wie ein Lexikon, doch eigentlich ist er ein sehr schönes, tiefes Buch.
  • Die kirchlichen Lehrtexte, zusammengefaßt im Denzinger, klicke hier. Auch dort gibt es einen Index, so daß man nachlesen kann, was die Kirche in ihrer Tradition zu verschiedenen Themen schon verlautbart hat (es gibt ja Dinge, zu denen mehrere Päpste schon Aussagen gemacht haben): päpstliche Schreiben, Enzykliken sowie eine Auswahl von Texten von Synoden sowie aller 21 Konzilien. Dieses Buch hat mir sehr geholfen, die innerkirchlichen Streitereien nicht ganz so dramatisch zu nehmen. Es gab immer schon Häresien, und es wurde immer schon um die Wahrheit gerungen. Die Kirche besteht nicht aus Robotern, sondern aus Menschen mit einem freien Geist - ein Glück.
  • Exerzitien. Hier ist für mich Pater Hans Buob in Hochaltingen, Haus St. Ulrich, erste Wahl.
  • Vorträge auf CD. Hier gibt es u.a. beim Gebetshaus Augsburg hervorragende Lehren, aber auch in Hochaltingen, Radio Horeb oder bei Kirche in Not.
Wenn man diese Dinge tut und um Erkenntnis, Einsicht und Unterscheidung der Geister betet, dann kommt man, so denke ich, gut zurecht. Ich jedenfalls.

Früher: Leiden ohne zu klagen.
Heute: Klagen ohne zu leiden.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Thaddäus Öllenstroth« (13.01.2017, 21:09)


Dammerl

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136

14.01.2017, 09:20

Thaddäus hat schon sehr gute Richtlinien angegeben.
Ignatius von Loyola ist ein Meister der Lehre zur Unterscheidung der Geister. Aber er ist sehr anspruchsvoll und besser unter Anleitung in Exerzitien zu verstehen.
Kurz und prägnant und nach meiner Ansicht sehr treffend ist das kleine Büchlein von Johannes Scaramelli.
Hier

Vor all dem ist es aber unumgänglich sich in die Liebe des Herrn miteinbeziehen zu lassen.
Nichts, was ich tue, vermag, dass Jesus mich weniger liebt. Nichts was ich tue, vermag, dass Jesus mich mehr liebt. Er verzeiht immer, weil ich ihm meine Reue entgegenhalten darf.
Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
https://emmauspilger.wordpress.com/

Thaddäus Öllenstroth

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137

14.01.2017, 11:55

Aphorismus des Tages:
Nichts, was ich tue, vermag, dass Jesus mich weniger liebt. Nichts was ich tue, vermag, dass Jesus mich mehr liebt.
:thumbup:

Früher: Leiden ohne zu klagen.
Heute: Klagen ohne zu leiden.

138

16.01.2017, 09:09

Danke für die Tipps. Auch wenn ich mit dem Begriff "Liebe" wohl immer so meine Probleme haben werde; ich könnte ihn nicht erklären. Ich will tun, was Gott von mir wünscht. Nur wenn ich lese "Liebe deinen nächsten wie dich selbst." dann habe ich eigentlich keine genaue Ahnung was das heißt; ok, fair gegenüber meinen nächsten sein, im Zweifel lieber mir ein Übel widerfahren lassen als dass es jemanden anders trifft, dem anderen mit Achtung begegnen, Zuhören, Helfen, Verzeihen, etc. Aber irgendwo habe ich das Gefühl, dass da noch was fehlt.

Und Gott lieben? Was genau will er da von mir? Dass ich versuche das zu erkenne, was er will und es dann sogar zu tun, ok. Aber das war es dann vielleicht auch noch nicht ganz.



Um doch noch was direkt zum Threadthema beizutragen (was muss man eigentlich tun, damit die Mods einen freischalten, dass man Threads eröffnen darf?):

In meinem Hirn tummeln sich manchmal ziemlich kranke Gedanken; also nicht in realer Absicht, nicht mal in hypothetischer Absicht, sondern mehr so "Ok, so und so könnte sich das jemand rechtfertigen, dieses und jenes würde er dann tun; wow, das wäre echt krank, wenn das mal jemand machen würde, zum Glück ist das alles nur hypothetisch.". Ein Teil meiner düsteren Gedanken im Halbschlaf, sozusagen meine "Horrorvisionen" sind, dass den Mist den ich mir ausdenke, dann doch irgendwer tatsächlich real tut und dabei sogar noch meine hypothetische-hirnrissige Rechtfertigung "kopiert".

Und dann wach ich auf. Zum Glück stellen sich die "Horrorvisionen" als irreal auf.

Meistens jedenfalls (Jedenfalls rede ich mir das ein).


Meine obige Schilderung der hypothetischen Beichte des A war so ein Ding. So einen Mist würde doch real niemand niemals nimmer machen. Das sollte doch jedem real sofort klar sein, dass man Vergebung, Absolution, ja sozusagen Billigung von nach dem Wortlaut von expliziten Aussagen von Jesus zumindest fragwürdigem Verhalten (*) im Beichtstuhl geradezu einfordern darf, noch dazu aufgrund der Worte eines Papstes, der gerade weil er die Beichte als so wichtig und heilig ansieht, sie möglichst vielen eröffnen möchte.


Aber wieder einmal:
https://cruxnow.com/global-church/2017/0…on-caused-pope/

"To explain the “confusion” and “uncertainty” he believes exists in
Catholicism today, Caffarra cited a letter at length he said he’d
recently received from a parish pastor.
“In spiritual direction and in confession, I don’t know what to
say anymore. To a penitent who says to me, ‘I live in every sense as a
husband with a divorced woman and now I’m taking Communion,’ if I
propose a course to remedy the situation, the penitent stops me and
says, ‘Look, Father, the pope has said I can have the Eucharist, without
having to live in continence.’ I can’t take this situation anymore. The
Church can ask anything from me, but it can’t ask me to betray my
conscience. My conscience objects to a supposed papal teaching to admit
to the Eucharist, in certain circumstances, someone who lives as a
spouse without being married.”

"

Knappe Übersetzung.
Kardinal Caffarra zitiert aus einem Brief von einem Priester.
"Im seelsorgerischen Gespräch und Beichte, weiß ich nicht mehr, was ich sagen soll. Zu einem Beichtenden, der zu mir sagt:'Ich lebe in jedem Sinne als Ehemann einer geschiedenen Frau und ich gehe zur Kommunion", wenn ich einen Vorschlag zur Verbesserung der Situation mache, stoppt mich der Beichtende und sagt: 'Sehen Sie Vater, der Papst hat gesagt, ich kann zur Kommunion gehen ohne enthaltsam leben zu müssen.'"

wache ich auf und will nochmal aufwachen.

Mein hypothetischer A will immerhin 4 Kinder taufen lassen und sie dann katholisch erziehen (das rechtfertigt natürlich keine Sünden, aber es lässt hoffen) und befindet sich mutmasslich schlicht im Irrtum über AL und ich habe offen gelassen, wie er dann reagiert, wenn der Beichtvater B ihm versuchen will, diesen Irrtum klarzumachen.

Warum können die, die vermeinen es gäbe nur wenig oder keine Probleme hinsichtlich AL, nicht realisieren, dass auch so was passieren wird und das AL bzw. die Art und Weise wie AL letztlich rezipiert und ausgelegt wird und auslegbar ist, KAUSAL zu sowas führt?


Für jemanden mit rudimentären juristischen Kenntnissen ist sofort klar, wenn man irgendwo eine schwammige Rechtfertigungs-/Ausnahmeregelung hat und die wird auch öffentlich schwammig verbreitet, dann folgen so wie auf den Tag die Nacht folgt eine gewisse Anzahl an Delinquenten, die ganz platt eine Tat begangen haben, weil sie für sich selbst die schwammige Rechtfertigung genutzt haben, um vor sich selbst die Ignorierung des allgemeinen Verbots zu rechtfertigen. Auf Dauer ist das natürlich kein Problem, da solche Leute dann natürlich in etwa genauso ins Gefängnis gesteckt werden wie andere Gesetzesbrecher auch, womit sich dann irgendwann rumspricht, dass die schwammige Rechtfertigung doch nicht in der Weise einem vor Strafe bewahrt. Kurzfristig ist das trotzdem schlecht, weil eine Reihe Leute Taten begehen und Inhaftiert werden und dieses vermeidbar gewesen wäre, hätte man nur die Öffentlichkeit anders informiert (ein Beispiel wie es richtig geht: das Notwehrrecht; das ist eigentlich total schwammig, aber wann immer die Polizei was öffentlich dazu sagt, fordert sie quasi zur größten Zurückhaltung auf, so als sei das Notwehrrecht ganz eng und schmal; was im Ergebnis vernünftig ist, da dadurch wohl viele von Delikten in vermeintlicher Notwehr abgehalten werden, den Gerichten aber noch alle Freiheiten des schwammigen notwehrrechts bleiben, um bei Opfern von Verbrechen, die bei der Gegenwehr halt nicht optimal reagiert haben, beide Augen zuzudrücken).




(* Diese Formulierung ist im Juristensprech zu verstehen; wenn der oberste Gesetzgeber sagt "Handlung H ist verboten. Ja, sogar wenn das das Leben sehr schwierig macht, ist es trotzdem verboten. Wirklich."; letzteres hat Jesus im Prinzip durchblicken lassen, da seine Jünger selbst ja angemerkt haben, dass seine Ehelehre hart sein kann und er sie nicht daraufhin modifizierte; dann ist das Verhalten von einem, der mutmasslich genau H tut ziemlich fragwürdig und er/sie sollte es ganz schnell einstellen, bevor der Gesetzgeber davon mitbekommt.)

Dammerl

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Wohnort: Lkr. Garmisch-Partenkirchen

139

16.01.2017, 11:28

Danke für die Tipps. Auch wenn ich mit dem Begriff "Liebe" wohl immer so meine Probleme haben werde; ich könnte ihn nicht erklären. Ich will tun, was Gott von mir wünscht. Nur wenn ich lese "Liebe deinen nächsten wie dich selbst." dann habe ich eigentlich keine genaue Ahnung was das heißt; ok, fair gegenüber meinen nächsten sein, im Zweifel lieber mir ein Übel widerfahren lassen als dass es jemanden anders trifft, dem anderen mit Achtung begegnen, Zuhören, Helfen, Verzeihen, etc. Aber irgendwo habe ich das Gefühl, dass da noch was fehlt.

Richtig, es fehlt Jesus. Ich kann moralisch handeln, Konventionen entsprechen, aber lieben, so wie Gott liebt, kann ich nicht. Therese von Lisieux sagt: "Jesus, liebe du in mir, was und wen ich nicht kann".
Und: Wenn ich meinen Nächsten lieben soll, wie mich selbst, liebe ich mich denn selbst? Nehme ich mich denn so an, wie ich bin und liebe mich? Oder bin ich stets im Zweifel, ob ich etwas wert bin? Sehne ich mich nur nach der Liebe anderer, weil ich selbst mich nicht liebe? Das soll jetzt nicht bedeuten, dass man sich als größten und tollsten betrachten soll, sondern dass man in Demut sagen kann: Ich bin von Gott geliebt, so wie ich bin und das macht mich unendlich wertvoll. Und dort, wo ich nicht so bin, wie Gott es für mich vorgesehen hat, da ist er geduldig mit mir, da kann ich immer wieder aufstehen, wenn ich gefallen bin, und meinen Weg mit ihm fortsetzen. Er wird mich nie abweisen, wenn ich nur wieder den Willen habe aufzustehen, aus meinen Fehlern zu lernen, sie aus Liebe zum Herrn nicht mehr tun zu wollen.

Zitat

Und Gott lieben? Was genau will er da von mir? Dass ich versuche das zu erkenne, was er will und es dann sogar zu tun, ok. Aber das war es dann vielleicht auch noch nicht ganz.

Auch hier liegst du richtig. Er möchte von mir, dass ich seinen Willen tue, aber auch an ihn zu glauben. Ihm vertrauen, dass er alles zum Guten führen wird, auch wenn ich es noch nicht sehen kann, dass er mich liebt und dass Jesus für mich gestorben ist, damit ich durch dieses Zeichen weiß, dass er mich liebt und ich erlöst bin. Daraus folgt, dass ich noch etwas tun kann, um ihn zu lieben: Gott danken und preisen dafür, dass er mich wollte und dass er mit mir Gemeinschaft, Beziehung will, sogar in Ewigkeit.

Zitat

In meinem Hirn tummeln sich manchmal ziemlich kranke Gedanken; also nicht in realer Absicht, nicht mal in hypothetischer Absicht, sondern mehr so "Ok, so und so könnte sich das jemand rechtfertigen, dieses und jenes würde er dann tun; wow, das wäre echt krank, wenn das mal jemand machen würde, zum Glück ist das alles nur hypothetisch.".

Da bist du nicht allein, so geht es mir auch. Und eigentlich meint man sich oft selbst und versucht "Sündenspielräume" auszuloten. Ich nehme es als Warnsignal meines Gewissens an, wie böse ich tatsächlich sein kann und wie sehr ich den Hl. Geist durch Jesus brauche. Aber das darf mich nicht herunterziehen, denn Gott weiß doch sowieso alles von mir, dass ich böse sein kann und dass ich ohne ihn verloren wäre. Deshalb schenkte er mir durch Johannes auch dieses Wort (1Joh 3:20; GB):
Denn mag auch unser Herz uns verdammen, noch größer als unser Herz ist Gott; er weiß ja alles.


Zitat

Für jemanden mit rudimentären juristischen Kenntnissen ist sofort klar, wenn man irgendwo eine schwammige Rechtfertigungs-/Ausnahmeregelung hat und die wird auch öffentlich schwammig verbreitet, dann folgen so wie auf den Tag die Nacht folgt eine gewisse Anzahl an Delinquenten, die ganz platt eine Tat begangen haben, weil sie für sich selbst die schwammige Rechtfertigung genutzt haben, um vor sich selbst die Ignorierung des allgemeinen Verbots zu rechtfertigen.

AL ist so etwas wie ein Leuchtturm, der Licht in das Dunkel der Seelen werfen soll, damit sie nicht zerschellen an ihren Sünden, dass sie den richtigen Weg finden und Jesus sowie seine Stellvertreter in seiner Kirche als Lotsen der Liebe an Bord nehmen.
Jesus Christus wird einmal unser Richter sein und nicht menschliche Richter und Anwälte. Wir stehen nicht mehr unter irgendwelchen religiösen Gesetz, sondern (obacht!) im Gesetz, wenn und weil Jesus in uns wohnt. Damit ist einerseits das Gesetz erfüllt, andererseits ist es nun nicht mehr außerhalb von uns in religiösen Übungen, sondern innen, in unserem Herzen angelegt. Eigentlich wird es dadurch noch schwerer, es einzuhalten (siehe Bergpredigt). Aber es ist ja zusammen mit Jesus dort, der mir das Wollen zum Wollen und die Gnade und Kraft schenkt in Liebe das Gesetz zu leben, deshalb ist dieses Joch auch leicht. Von der wunderbaren Befreiung und der Heilung dadurch will ich gar nicht erst schreiben.
Das bedeutet dann, dass ich Menschen nicht verurteile, sondern allein der Herr. Er spricht das Urteil aus, das sich jeder Mensch bereits selbst gegeben hat. Die ganze Rechtsverdreherei nach dem Buchstaben des Gesetzes oder einer vorgeschobenen Rechtfertigung hat vorm Herrn keinen Bestand. Auch im Leben merken viele, dass sich das Gewissen nicht täuschen lässt. Jesus durchleuchtet meine Seele bei meinem Tod mit dem hellen Licht seiner Liebe, wie eine Glasscheibe. Und dann wird jeder Schmutz, jede Sünde auf dieser Scheibe sichtbar werden und an dieser Stelle das Licht verdunkeln. Jeder Mensch wird klar seine Sünden erkennen und wenn die Sehnsucht nach der Liebe Gottes größer ist, als die egoistische Selbstliebe zu seinen Sünden, dann wird es ihn hin zu Gott ziehen. Diese Sehnsucht kann ich jedoch nur im Leben schulen und Gott hilft mir selbst dabei, weil er mich ja bei sich haben will.

Möge der Hl. Geist dich das richtig verstehen lassen, was ich durch meine menschliche Schwäche nur unzulänglich auszudrücken vermochte.

Servus
Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
https://emmauspilger.wordpress.com/

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Dammerl« (16.01.2017, 11:34)


140

17.01.2017, 03:45

Mein Problem ist wirklich, dass ich die Bedeutung des Begriffes "Liebe" bzw. "lieben" nicht kenne bzw. nicht verstehe. Ist am besten nachzuvollziehen, indem man sich einfach vorstellt, in entsprechenden Aussagen (also auch in Dammerl's Beitrag) stünde statt "Liebe" schlicht ein Wort, das man noch nie gehört hat, bei dem man erstmal im Duden oder auf wiki nachschaut, was für eine Bedeutung es haben könnte. Wobei das Nachschlagen des Wortes wenig weiterhilft (z.b. https://de.wikipedia.org/wiki/Liebe "Liebe (über mhd. liep, „Gutes, Angenehmes, Wertes“ von idg. *leubh- gern, lieb haben, begehren[1]) ist im Allgemeinen die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung und Wertschätzung, die ein Mensch einem anderen entgegenzubringen in der Lage ist.

Nach engerem und verbreitetem Verständnis ist Liebe ein starkes Gefühl,", wobei "Zuneigung" auch als Gefühl beschrieben wird; wenn das die zutreffende Bedeutung ist, soll ich also irgendwas fühlen; ok, fühlen tue ich da schon; aber ist es das gemeinte "fühlen" oder hätte es irgendwie anders zu sein? Ferner ist wikipedia offensichtlich eine lausige Quelle um den Begriff "Liebe" im religiösen Kontext zu verstehen, da wiki ja wesentlich die moderne Kultur reflektiert, die mutmasslich mit "Liebe" hauptsächlich "sexuell" ausgerichtete "Liebe" meint, was aber sicher nicht gemeint ist)

Danke für die Tipps. Auch wenn ich mit dem Begriff "Liebe" wohl immer so meine Probleme haben werde; ich könnte ihn nicht erklären. Ich will tun, was Gott von mir wünscht. Nur wenn ich lese "Liebe deinen nächsten wie dich selbst." dann habe ich eigentlich keine genaue Ahnung was das heißt; ok, fair gegenüber meinen nächsten sein, im Zweifel lieber mir ein Übel widerfahren lassen als dass es jemanden anders trifft, dem anderen mit Achtung begegnen, Zuhören, Helfen, Verzeihen, etc. Aber irgendwo habe ich das Gefühl, dass da noch was fehlt.

Richtig, es fehlt Jesus. Ich kann moralisch handeln, Konventionen entsprechen, aber lieben, so wie Gott liebt, kann ich nicht. Therese von Lisieux sagt: "Jesus, liebe du in mir, was und wen ich nicht kann".
Und: Wenn ich meinen Nächsten lieben soll, wie mich selbst, liebe ich mich denn selbst? Nehme ich mich denn so an, wie ich bin und liebe mich? Oder bin ich stets im Zweifel, ob ich etwas wert bin? Sehne ich mich nur nach der Liebe anderer, weil ich selbst mich nicht liebe? Das soll jetzt nicht bedeuten, dass man sich als größten und tollsten betrachten soll, sondern dass man in Demut sagen kann: Ich bin von Gott geliebt, so wie ich bin und das macht mich unendlich wertvoll. Und dort, wo ich nicht so bin, wie Gott es für mich vorgesehen hat, da ist er geduldig mit mir, da kann ich immer wieder aufstehen, wenn ich gefallen bin, und meinen Weg mit ihm fortsetzen. Er wird mich nie abweisen, wenn ich nur wieder den Willen habe aufzustehen, aus meinen Fehlern zu lernen, sie aus Liebe zum Herrn nicht mehr tun zu wollen.

Zitat

Und Gott lieben? Was genau will er da von mir? Dass ich versuche das zu erkenne, was er will und es dann sogar zu tun, ok. Aber das war es dann vielleicht auch noch nicht ganz.

Auch hier liegst du richtig. Er möchte von mir, dass ich seinen Willen tue, aber auch an ihn zu glauben. Ihm vertrauen, dass er alles zum Guten führen wird, auch wenn ich es noch nicht sehen kann, dass er mich liebt und dass Jesus für mich gestorben ist, damit ich durch dieses Zeichen weiß, dass er mich liebt und ich erlöst bin. Daraus folgt, dass ich noch etwas tun kann, um ihn zu lieben: Gott danken und preisen dafür, dass er mich wollte und dass er mit mir Gemeinschaft, Beziehung will, sogar in Ewigkeit.

Zitat

In meinem Hirn tummeln sich manchmal ziemlich kranke Gedanken; also nicht in realer Absicht, nicht mal in hypothetischer Absicht, sondern mehr so "Ok, so und so könnte sich das jemand rechtfertigen, dieses und jenes würde er dann tun; wow, das wäre echt krank, wenn das mal jemand machen würde, zum Glück ist das alles nur hypothetisch.".

Da bist du nicht allein, so geht es mir auch. Und eigentlich meint man sich oft selbst und versucht "Sündenspielräume" auszuloten. Ich nehme es als Warnsignal meines Gewissens an, wie böse ich tatsächlich sein kann und wie sehr ich den Hl. Geist durch Jesus brauche. Aber das darf mich nicht herunterziehen, denn Gott weiß doch sowieso alles von mir, dass ich böse sein kann und dass ich ohne ihn verloren wäre. Deshalb schenkte er mir durch Johannes auch dieses Wort (1Joh 3:20; GB):
Denn mag auch unser Herz uns verdammen, noch größer als unser Herz ist Gott; er weiß ja alles.


Zitat

Für jemanden mit rudimentären juristischen Kenntnissen ist sofort klar, wenn man irgendwo eine schwammige Rechtfertigungs-/Ausnahmeregelung hat und die wird auch öffentlich schwammig verbreitet, dann folgen so wie auf den Tag die Nacht folgt eine gewisse Anzahl an Delinquenten, die ganz platt eine Tat begangen haben, weil sie für sich selbst die schwammige Rechtfertigung genutzt haben, um vor sich selbst die Ignorierung des allgemeinen Verbots zu rechtfertigen.

AL ist so etwas wie ein Leuchtturm, der Licht in das Dunkel der Seelen werfen soll, damit sie nicht zerschellen an ihren Sünden, dass sie den richtigen Weg finden und Jesus sowie seine Stellvertreter in seiner Kirche als Lotsen der Liebe an Bord nehmen.
Jesus Christus wird einmal unser Richter sein und nicht menschliche Richter und Anwälte. Wir stehen nicht mehr unter irgendwelchen religiösen Gesetz, sondern (obacht!) im Gesetz, wenn und weil Jesus in uns wohnt. Damit ist einerseits das Gesetz erfüllt, andererseits ist es nun nicht mehr außerhalb von uns in religiösen Übungen, sondern innen, in unserem Herzen angelegt. Eigentlich wird es dadurch noch schwerer, es einzuhalten (siehe Bergpredigt). Aber es ist ja zusammen mit Jesus dort, der mir das Wollen zum Wollen und die Gnade und Kraft schenkt in Liebe das Gesetz zu leben, deshalb ist dieses Joch auch leicht. Von der wunderbaren Befreiung und der Heilung dadurch will ich gar nicht erst schreiben.
Das bedeutet dann, dass ich Menschen nicht verurteile, sondern allein der Herr. Er spricht das Urteil aus, das sich jeder Mensch bereits selbst gegeben hat. Die ganze Rechtsverdreherei nach dem Buchstaben des Gesetzes oder einer vorgeschobenen Rechtfertigung hat vorm Herrn keinen Bestand. Auch im Leben merken viele, dass sich das Gewissen nicht täuschen lässt. Jesus durchleuchtet meine Seele bei meinem Tod mit dem hellen Licht seiner Liebe, wie eine Glasscheibe. Und dann wird jeder Schmutz, jede Sünde auf dieser Scheibe sichtbar werden und an dieser Stelle das Licht verdunkeln. Jeder Mensch wird klar seine Sünden erkennen und wenn die Sehnsucht nach der Liebe Gottes größer ist, als die egoistische Selbstliebe zu seinen Sünden, dann wird es ihn hin zu Gott ziehen. Diese Sehnsucht kann ich jedoch nur im Leben schulen und Gott hilft mir selbst dabei, weil er mich ja bei sich haben will.

Möge der Hl. Geist dich das richtig verstehen lassen, was ich durch meine menschliche Schwäche nur unzulänglich auszudrücken vermochte.

Servus
Leuchttürme müssen klar und hell in die Dunkelheit hinausleuchten und zwar so, dass auch der letzte verwirrte im Prinzip erkennen könnte, in welche Richtung es denn möglicherweise gehen sollte.

Und da finde ich den Kardinal Caffarra von einem Pastor geschilderte Fall eines Beichtenden, der nicht mal mit sich über das Thema des richtigen Umgangs mit dem möglicherweise bestehenden Problem reden lassen will, ein starkes Indiz, dass AL entweder selbst oder in der Art, wie AL kommuniziert wurde, kein besonders klarer und heller Leuchtturm ist. Vielmehr wurde es wenigstens in dem Fall gerade für "Rechtsverdreherei" genutzt.

Und meine persönliche Erfahrung "draußen in der Dunkelheit" ist so, dass ich stark bezweifeln würde, dass mir AL ein guter Leuchtturm gewesen wäre (aber das kann auch an mir persönlich liegen).

Ferner ist mein eigenes Gewissen oft ziemlich lausig, wenigstens wenn ich den Katechismus als Maßstab nehme, wann mein Gewissen "Laut geben" sollte und wann es das dann doch real tut. Ich verlasse mich nur relativ ungerne alleine auf mein Gewissen. So wie man z.b. natürlich besser ist, eine alte Rostlaube hat als überhaupt keinen fahrbaren Untersatz zu haben, aber natürlich trotzdem sich des Risikos bewusst ist, dass das Ding jederzeit und völlig ohne Vorwarnung den Geist aufgibt und man dann irgendwie anders weiterkommen muss.

Ist natürlich toll, wenn das bei anderen erheblich "zuverlässiger" ist; aber in Anbetracht dessen, wieviele Menschen allgemein oder auch Katholiken das Töten von unschuldigen und wehrlosen Menschen als relativ unproblematisch ansehen, habe ich meine Zweifel; denn immerhin da gibt meine "Rostlaube" noch laut.

Und deshalb erscheint mir der Plan scheinbar vor allem auf das individuelle Gewissen zu setzen als eher riskant, statt hier und da geeignet mit gewissen mehr oder minder klaren Regeln/Gesetzen wenigstens ein paar Orientierungspunkte zu geben, an denen man erkennen kann, ob man mit dem Ding gerade in die richtige Richtung unterwegs ist.

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