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3 061

12.05.2017, 10:48

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (5). Pater Eugen Mederlet OFM. 28. Mai 1981. Kassette 439.


Und umgekehrt, da wir eben noch auf Erden sind – einige, eine ganze Fülle ist ja schon im Himmel - , aber mit den Füßen gleichsam sind wir noch auf Erden, leidet eben auch der ganze Himmel noch die irdischen Wehen und leidet noch die ganzen Nöte der Wanderschaft, die ganzen Nöte des Sühnekreuzzuges: nämlich das Kreuz zu tragen, um die Sühne zu vollenden. Die Sühne, die alle Sünden immer mehr auflöst, bis alle aufgelöst sind, weil wir sie am Kreuz tragen.

So ist der ganze Himmel umgekehrt immer noch auf Erden. Der Himmel ist noch nicht vollendet. Der Himmel leidet noch die irdischen Leiden mit, obwohl im Himmel selbst die Leiden nicht sind; aber alle im Himmel sind eben noch zum Teil auf Erden. In uns sind sie noch auf Erden wie wir in ihnen schon im Himmel sind. Das wird so herrlich! Das wird so einfach! Ich muss das so kompliziert darlegen, aber wenn es einem aufgegangen ist, wird einem auf einmal alles so einfach: das unendliche eine Leben. Das ist ja zeichenhaft in göttlichen, abgrundtiefen Zeichen dargestellt bei der Taufe Jesu. „Da öffnete sich der Himmel“, heißt es.
„Der Heilige Geist stieg aus dem Himmel herab auf Jesus“. Er war schon vom Heiligen Geist gesalbt, aber hier ist ein Zeichen gegeben, was hier in der Taufe geschieht und was in unserer Taufe geschieht.
Mit der Taufe Jesu wird die Taufe eingesetzt, initiiert und eröffnet, dass sie künftighin ständig auf diese Weise wirke. Das ist unerhört, was da urbeginnt durch das schöpferische Tun Jesu aus dem Vater, dass nämlich der Himmel sich öffnet und einströmt in die Erde. Himmel und Erde sind eine einzige Herrlichkeit des Lebens geworden. Himmel und Erde sind ein Leben Jesu, ein göttliches Leben, wobei die Erde eben noch in der Verwandlung ist und der Himmel ständig einströmt und umgekehrt die Erde ständig noch die Aufgabe des Himmels ist.

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

3 062

13.05.2017, 11:07

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (6). Pater Eugen Mederlet OFM. 28. Mai 1981. Kassette 439.

Darum sagt auch Jesus: Ihr werdet die Engel über dem Menschensohn auf- und niedersteigen sehen, auf und nieder. Also ein ständiges Zueinander hin, vom Himmel zur Erde und von der Erde zum Himmel. Das ist ein Leben, ein Blutkreislauf, eine ganze Lebensfülle.

Darum heißt es ja auch im Wort des Epheserbriefes, dass Christus die Kirche erfüllt. Wörtlich heißt es nicht, dass er sie erfüllt, sondern dass „die Kirche seine Fülle ist. Jesus ist die Fülle der Kirche und die Kirche ist seine Fülle! Also das ganze volle Jesus-Christus-Sein, ist Jesus und die Kirche als ein Leben, wie Adam und Eva ein Mensch sind, ein Menschsein, zusammen erst das Mensch-Sein sind, zwei in einem Fleische.

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

3 063

15.05.2017, 10:59

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (7). Pater Eugen Mederlet OFM. 28. Mai 1981. Kassette 439.

So sind Christus und die gesamte Schöpfung, die er zur Braut schmückt und wandelt, zwei in einem einzigen Leben aus dem einen Herzen Gottes, in einem Lebensodem des Heiligen Geistes. Deshalb ist alles Leiden der Erde das Leiden Jesu im Himmel, und alle Freude des Himmels, die Christus nun in der ganzen Fülle genießt und ausgießt über den Himmel, ist unsere Freude, ist unsere Seligkeit, ist unsere Heimat, ist unser Leben. Darum sind wir schon in den Himmel eingegangen, aber in den Himmel eingegangen in der Weise, wie eben das irdische Leben Jesu war. Wir sind noch in der irdischen Form, aber nicht losgelöst vom Himmel: Wir sind ein Leben mit Jesus mit allen Engeln, mit allen Heiligen, mit Maria, mit Franziskus, mit allen Heiligen, die uns nahe stehen, auch mit allen Menschen, die uns nahe stehen, die uns schon vorangegangen sind, mit all denen und in denen sind wir alle schon im Himmel. Das ist unsere Heimat. Und umgekehrt leben die alle mit uns das irdische Leben: lebt Christus, lebt Maria, leben alle Engel – das ist ja die Prüfung der Engel gewesen, ob sie bereit sind, hinabzusteigen – lebt Christus mit allen Engeln und Heiligen in unserer Erniedrigung, jetzt noch immer. Er ist ja bei uns!

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

3 064

16.05.2017, 09:35

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (8). Pater Eugen Mederlet OFM. 28. Mai 1981. Kassette 439.

Die Erniedrigung ist ja zeichenhaft greifbar in der Heiligen Eucharistie, wo er hinabsteigt, Brot zu werden und Wein zu werden und unser Leben zu werden. Wir essen ihn ja, dass er uns wird. „Wer mich isst, wird aus mir leben.“ Also wird er unsere Nahrung, die unser Leben aufbaut, er wird mich. So steigt der ganze Himmel ständig hinab in die Erniedrigung der Erde. Aber damit sind wir, die erniedrigte Erde, ständig wiederum im Himmel.

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

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17.05.2017, 09:18

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (9). Pater Eugen Mederlet OFM. 28. Mai 1981. Kassette 439.

Die Geschichte des Kosmos ist seit Christus ein ständiger, unendlicher Austausch, bis dann einmal die ganze Erde verwandelt ist; denn in diesem Austausch hat der Himmel die größere Macht. Der Himmel wandelt uns in diesem Austausch inwendig um, dass wir immer mehr fähig werden, dann auch ganz himmlisch zu werden; und dann müssen wir wieder vom Himmel aus mithelfen, die anderen mit Himmlischem zu durchdringen bis eben die gesamte Schöpfung verwandelt ist und er dann erscheinen kann, weil die Braut vollendet ist. Die Hochzeit wird in der ganzen Fülle dann nur noch himmlisch sein, weil die Erde selbst dann Himmel geworden ist. Dann ist sie die neue Erde wie wir ein neues Geschöpf sind. Und doch sind wir die gleichen und wird diese Erde neue Erde sein, zur Neuschöpfung verwandelt.

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

3 066

18.05.2017, 09:14

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (10). Pater Eugen Mederlet OFM. 28. Mai 1981. Kassette 439.

Auf diese Weise können wir ganz anders aushalten, sehen wir ganz anders diesen demütigenden, erniedrigenden und oft so belastenden Weg des Kreuzes als einen wirklichen Triumphzug, als einen wirklichen, königlichen Einzug in den Himmel. „Der hinauffuhr in den Himmel, „ sagt Paulus, „Ist der gleiche, der auch hinabstieg in die Niederungen der Erde.“ Mit Niederungen der Erde ist nicht etwa gemeint, dass es Täler statt Berge gibt oder so, sondern der Sohn Gottes kommt in die erniedrigte Erde, die nicht mehr Erde ist, wie sie aus der Schöpfung hervorging, sondern wie sie durch die Sünde verdorben wurde. In der gleichen Weise sagt Johannes wie Paulus: „Das Wort ist Fleisch geworden.“ Diese Knechtsgestalt, dieses erniedrigte Menschsein hat er angenommen.

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

3 067

19.05.2017, 16:13

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (11). Pater Eugen Mederlet OFM. 28. Mai 1981. Kassette 439.


Wie ganz anders können wir dann diese ganze Erniedrigung annehmen. Ja, mir kam in den letzten Wochen, vor ein paar Tagen eine Erkenntnis: Durch die Erbsünde sind wir erniedrigt und jeder stöhnt und meint, er habe vielleicht doch ein etwas größeres Paket von dieser Belastung bekommen als andere. Wer wäre dann eigentlich der Glücklichste?

Die größte Last hat ja der Sohn Gottes selber. Er hat ja die gesamte Last der Sünde genommen. Da ist mir erst aufgegangen, warum die Heiligen die Allerärmsten so geliebt haben, bis sie die Geschwüre der ekelhaft Kranken mit ihrem eigenen Mund aussaugen konnten. Die selige Angela von Foligno erzählt selbst, wie sie am Gründonnerstag mit ihrer Gefährtin ins Krankenhaus ging und dort die allerschlimmsten Kranken pflegte und ihre Wunden mit ihrem Munde pflegte, und dass ihr dann auf dem Heimweg eine Schuppe im Hals von dem ausgetrunkenen Geschwür geblieben ist, und dass sie dann, um es loszuwerden, es ausgespuckt hat und ganz entsetzt war, als ob sie etwas ganz Schlimmes an Christus begangen hätte, weil sie das ausgespuckt hatte. Sie hat es nicht einmal aus Ekel ausgespuckt, sondern bloß, weil sie nicht mehr schlucken konnte.

Ich habe es kaum lesen können. Da habe ich erkannt, da fehlt mir noch ein ganz tiefer Einblick und eine tiefe Bereitschaft. Das ist mir erst in den letzten Tagen aufgegangen. Theoretisch habe ich es schon erkannt, aber praktisch?

Es ist ganz klar: Wo die größte Erniedrigung ist, das Abscheulichste und Ekelhafteste, dass da die größte Ähnlichkeit mit Jesus ist, dass uns da am meisten Jesus selbst begegnet. Darum sagt er ja: „Was ihr den Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ Wer ist denn der geringste? Doch der, vor dem einem am meisten ekelt. Das ist doch wohl der Geringste. Was wir dem tun, das tun wir Jesus.

Es ist doch eigentlich ganz klar, dass der Belastetste, von der Erbsünde am meisten Erniedrigte, am meisten Jesus gleicht. Das können wir erst begreifen wenn uns aufgeht, dass damit die unendliche, nicht mehr auszudenkende Gemeinschaft mit dem himmlischen Christus entsteht, dass das alles Triumphzug ist. Denn das eine bekennen wir – da sind wir in allen Konfessionen einig - , dass für Jesus das Leiden ein Triumphzug war, dass sein Leiden und Sterben am Kreuz ein Sieg ist.

Das verkünden wir alle: Jesus, der Sieger, Jesus siegt. Wer sagt das nicht?

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

3 068

20.05.2017, 10:29

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (12). Pater Eugen Mederlet OFM. 28. Mai 1981. Kassette 439.


Aber wenn es für Jesus der Sieg war, dann muss es ja auch für uns der Weg des Sieges sein. Er sagt: „Folge mir nach!“ „Wer mein Jünger sein will, der nehme jeden Tag sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Also ist das auch für uns der Siegeszug. Das müsste uns doch ganz anders erfüllen. (Ich könnte es doch auch nicht, obwohl ich es eingesehen habe.) Ich sage euch also nicht, ihr solltet hingehen und eiternde Wunden mir eurem Mund austrinken. Aber erkennen, dass wir wenigstens in dem, was uns aufgetragen ist, eigentlich eine Gnade sehen sollten, und zwar eine himmlische Gnade, eine bräutliche Gnade. Es ist Brautgabe. Jede Wunde ist Brautgabe, da es die Wunde des Bräutigams ist, und zwar die Wunde des Bräutigams, mit der er mich liebt, mit der er mir sein Leben gibt: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Er gibt mir seinen Leib, als diesen verwundeten, am Kreuz geopferten Leib. Das ist der Leib des Bräutigams, des Bräutigams der Kirche.

Also müsste es uns doch wirklich einen Triumphzug bedeuten, am Leiden Jesu teilzunehmen. Gelesen haben wir das hundertemal. Ich lese es immer wieder als Kapitel und wir singen es als Canticum usf. . Bei Petrus z.B.: „Wenn ihr an den Leiden Jesu teilhabt, freut euch, weil ihr dann auch bei seiner Herrlichkeit der Ankunft frohlocken werdet ohne Grenzen.“ Das wissen wir alle. Wir haben es so oft gebetet und gesagt. Oder: „Es ist kein Vergleich zwischen den Leiden dieser Zeit und der zukünftigen Herrlichkeit.“ Das sagen wir mit dem Mund und irgendwie ganz da oben glauben wir es auch. Aber wir haben es nicht einmal da oben durchdacht.

Wir bilden uns ein, es zu glauben, weil wir, selbstverständlich wollen, dass alles wahr ist, was in der Schrift steht. Aber das wir es in Wirklichkeit gar nicht glauben, zeigt unser Benehmen, zeigt unser Urteil, das wir haben über Leiden, über unseres und das der Welt.

Es ist himmlische Gnade, wenn wir an diesem irdischen Weg des Bräutigams Christus einen möglichst tiefen bräutlichen Anteil haben. Eine heilige Angela von Foligno: Das ist die Braut. Es ist aber auch unaussprechlich, welche Liebe Gottes sie erfahren hat, wie Gott sie liebt. Er sagt ihr oft: „Meine Tochter, du bist von mir unendlich mehr geliebt, als du mich je lieben kannst.“

Weil sie eben bereit war, mit ihm diesen Weg dieser Liebe zu gehen, dieses Zeichen der Liebe zu tun: Das Kreuz. Aber eben das ist himmlisch.

Das ist der Siegeszug. Vom Ölberg aus ist Jesus unter dem Jubel der palmzweigschwenkenden Menge in den Tempel als Messiaskönig eingezogen und der Palmzweig ist im Zeichen der Kirche das Siegeszeichen der Märtyrer geworden, weil der Einzug in Jerusalem der Märtyrereinzug Jesu war. Und von diesem Ölberg aus ist er in den Himmel aufgefahren. Vom Ölberg aus hat er die Apostel gesandt in alle Welt. Vom Ölberg aus ging der Hochzeitszug, die Königshochzeit, die in den Himmel einzieht.

Diese Einheit zwischen Himmel und Erde, diese Einheit zwischen Leiden und Freude, zwischen schmachvollem Kreuzesopfer, verspottet und verworfen und schreiend: „Warum hast du mich verlassen?“ ist zwischen diesem Kreuzesopfer und der Seligkeit im Himmel. Es ist derselbe, der hinaufstieg über alle Himmel. Einheit zwischen der Not unseres irdischen Lebens und der Herrlichkeit der Seligen im Himmel. Es ist ein Leben.

Der Fuß hat noch Schmerzen, aber in diesem Schmerz der Erde ist der ganze Himmel dabei.

Dann aber dürfen auch wir und sollen wir bei der ganzen Seligkeit des Himmels schon dabei sein – es ist ein Leben.

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

3 069

22.05.2017, 11:38

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (13). Pater Eugen Mederlet OFM. 28. Mai 1981. Kassette 439.

Deshalb ist bei Franziskus Schmerz und Freude so eins. Das ist dann die vollkommene Freude, wo der Schmerz selbst die Freude ist. Nicht in einer sadistischen Selbstzerquälung, sondern im himmlischen Geheimnis, dass der Schmerz die Brautgabe ist zur himmlischen Seligkeit, nicht nur wird, sondern schon mit ihr eins ist.

Im Hebräerbrief heißt es, dass wir bei der Taufe hinzugetreten sind zum himmlischen Jerusalem, zum Festjubel, zur Festversammlung der Myriaden von Engeln und der Geister der vollendeten Gerechten und zum Throne des Erbarmens, zum Vater, in dem Christus aus seinem Herzen alles Erbarmen ausgießt, den Heiligen Geist.

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

3 070

23.05.2017, 10:15

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (14). Pater Eugen Mederlet OFM. 28. Mai 1981. Kassette 439.

Wir sind zum Himmel hinzugetreten. Wir sind in den Weinstock eingepflanzt worden. Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock.“ Der Weinstock selber ist ja schon im Himmel. Und die Rebzweige, die schon an ihm gewachsen sind, alle Heiligen, sind ja schon im Himmel. Also sind wir jetzt Knospen am himmlischen Weinstock.
Bei der Taufe sind wir in den himmlischen Weinstock eingepfropft, eingepflanzt worden, damit wir jetzt von dorther, vom Himmel her, das Leben bekommen. Deshalb nimmt es der Himmel auf sich, in uns noch so niedrig und sogar noch durch Sünde hindurchgehen zu müssen und so niedrig zu sein. Das nimmt der Himmel auf sich, weil es Jesus, der Sohn Gottes, auf sich genommen hat.

Alles ist schon erlöst im Himmel. Ob wir die Erlösten sind, hängt nur noch von uns ab, ob wir es annehmen, um dieses himmlische Leben jetzt irdisch im Kreuz zu leben, aber im Kreuz als dem Braut- und Hochzeitsweg, dem Hochzeitszug zur Vollendung im Himmel. Das Maß dieser Hoffnung, das uns zugemessene Leben, zu dem wir hinpilgern, schon durchströmt vom himmlischen Leben, ist die Auferstehung Christi und die Himmelfahrt, ist die Herrlichkeit, mit der er jetzt im Himmel thront.

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

3 071

24.05.2017, 09:28

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt (15 und Schluss). Pater Eugen Mederlet OFM. 28. Mai 1981. Kassette 439.

Sagt mir doch einmal, dass das Kreuz etwas Niederdrückendes sei. Sagt mir einmal, dass man hier im Franziskushof immer nur vom Leiden spreche. Es mag schon sein, dass wir von dem mehr sprechen. Es ist auch das Naheliegendere. Wenn ich im Fuß ein Leiden habe, sage ich natürlich, ich leide. Aber das Leiden ist doch immer und immer durchstrahlt von der himmlischen Herrlichkeit. Es ist der Siegeszug, es ist der Hochzeitszug der sündigen, verlorenen Erde, gerettet durch die Taufe, wo der Himmel einströmte, Hochzeitszug Jesu vom Ölberg in den Tempel, vom Ölberg in die Herrlichkeit des Himmels. Wer siegt, wer durch diesen Hochzeitszug mit der Palme des Martyriums hindurchgeht, wer siegt, dem werde ich geben mit mir auf dem Thron zu sitzen, in der Königshochzeit mit mir gekrönt zu sein und in der ganzen Vollmacht eingesetzt, wie ich gesiegt habe mit der Palme des Martyriums, wie ich gesiegt habe vom Ölberg aus und mich mit dem Vater auf den gleichen Thron gesetzt habe.

Amen.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

3 072

26.05.2017, 09:43

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt. 28. Mai 1981. Kassette 439. (Gesamttext 1) Pater Eugen Mederlet OFM


Oration: „Allmächtiger, ewiger Gott, erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit.

Denn: In der Himmelfahrt deines Sohnes hast du den Menschen erhöht.

Schenke uns das feste Vertrauen, dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind, in die Christus uns vorausgegangen ist.“

Geliebte im Herrn!

Wir jubeln und freuen uns, da die Himmelfahrt des Sohnes Gottes unsere eigene Erhöhung ist.

Der heilige Augustinus hat mit so einfachen und doch so tiefsinnigen Worten gesagt: „Unser Haupt ist schon im Himmel und wir sind noch auf der Erde.“ Ich möchte an das Geheimnis herantreten, das ich zu deuten versuche.

Wir fragen uns: Wie ist das eigentlich, leidet Jesus im Himmel oder leidet er nicht? Wenn wir sagen, er leidet nicht, dann stimmen viele Gebete nicht und das ganze Bewusstsein des glaubenden Menschen, dass Ihn doch Schmerz erfüllen muss über all die Sünden der Welt und über die Leiden, die durch die Sünde entstehen, und vor allem durch die Verlorenheit so vieler Menschen.

Und wenn wir sagen: er leidet nicht, ist er dann so im Himmel und es kümmert ihn alles nicht mehr?

Die Oration vom Fest Christi Himmelfahrt gibt uns Antwort: Christus und die Kirche, wir, sind ja ein Leib.

Mir ging es bei der Lesung vom hl. Augustinus auf:

Wenn ich Schmerzen an meinem Fuß habe, dann habe ich in der Hand keine Schmerzen und auf dem Herzen keine Beschwerden, kein Kopfweh und kein Zahnweh. Ich habe nur am Fuß Schmerzen. Aber ich habe Schmerzen am Fuß! Umgekehrt, wenn das Herz stark, gut und gesund ist und ich habe irgendwo Schmerzen, dann trägt die Kraft des Herzens den ganzen Leib, die ganzen Schmerzen weiter. Es ist ein Leib, ein Ich in einem Leib mit vielen Gliedern.

Wenn wir diese Einheit einmal ein klein wenig richtig erahnen würden, dass „Leib“ nicht nur ein Bild ist, so ein Vergleich, dass eine gewisse Gesinnungseinheit da ist, wenn uns aufgehen würde, dass das real, ganz reale Wirklichkeit ist, dass Jesus mit seiner Kirche, das heißt also mit der ganzen Schöpfung, tatsächlich ein einziges Leben hat und der Heilige Geist, der Lebensodem aus dem Herzen Gottes als einziger Lebensodem uns alle belebt, dann geht uns eine Ahnung auf, das zwar Jesus selbst als Haupt im Himmel nicht leidet, aber unsere Leiden seine sind, so dass er wahrhaft jeden Schmerz eines jeden leidet, aber in uns, wie ich in meinem Fuß leide, aber ich. Dann würden wir begreifen, dass wir jetzt schon im Himmel wohnen können. Dass mit Jesus, wie es in anderen Orationen immer wieder heißt, dass mit Jesus in der Himmelfahrt unsere Menschennatur schon im Himmel ist, wir schon im Himmel sind. Darum kann Paulus sagen: „Euer Umgang sei im Himmel! Und er sagt, dass wir nicht nach dem trachten sollen, was irdisch ist, sondern was himmlisch ist. Und dass unser Leben jetzt, schon in Christus verborgen in Gott, weil wir mit Jesus eine solche Einheit sind, dass wir in ihm schon im Himmel sind.

Mit dem Haupt sind wir also im Himmel und mit dem Leib sind wir noch auf Erden.

Oder um es noch etwas unmittelbarer zugänglich zu sehen: Im Innersten unseres Herzens sind wir im Himmel, weil da Christus schon in uns wohnt und wir in ihm im Himmel sind. Aber dem Fleische nach sind wir noch auf Erden, sind wir am Kreuz, sind wir im irdischen Zustand Jesu.

So ist eine unaussprechliche Einheit des Himmels und der Erde da. Es ist ein Leben. Das ist ganz neu. Das ist neu in der Himmelfahrt. Da ist wahrhaftig die Erde, die Schöpfung in den Himmel eingegangen, Er, wir, die ganze Schöpfung, denn sie ist eine. Sie ist daran, ganz in den Himmel einzugehen. Wenn wir eine Prozession halten und die ersten ziehen schon in die Kirche ein, zieht eben die Prozession ein. So ziehen wir, zieht die ganze Schöpfung seit der Himmelfahrt in den Himmel ein. Da ist der Himmel aufgegangen; da ist etwas Neues, wirklich Neues entstanden in der Himmelfahrt, da ist der Hochzeitszug schon angelangt. Jetzt muss der ganze Hochzeitszug, die ganze Brautgesellschaft, Hochzeitsgesellschaft eben nachfolgen und weiß, dass sie ankommt. Denn sie ist ja schon angekommen. In Jesus sind alle schon im Himmel angekommen, sind wir schon im Heiligtum.

Und umgekehrt, da wir eben noch auf Erden sind – einige, eine ganze Fülle ist ja schon im Himmel - , aber mit den Füßen gleichsam sind wir noch auf Erden, leidet eben auch der ganze Himmel noch die irdischen Wehen und leidet noch die ganzen Nöte der Wanderschaft, die ganzen Nöte des Sühnekreuzzuges: nämlich das Kreuz zu tragen, um die Sühne zu vollenden. Die Sühne, die alle Sünden immer mehr auflöst, bis alle aufgelöst sind, weil wir sie am Kreuz tragen.

So ist der ganze Himmel umgekehrt immer noch auf Erden.

Der Himmel ist noch nicht vollendet. Der Himmel leidet noch die irdischen Leiden mit, obwohl im Himmel selbst die Leiden nicht sind; aber alle im Himmel sind eben noch zum Teil auf Erden. In uns sind sie noch auf Erden wie wir in ihnen schon im Himmel sind. Das wird so herrlich! Das wird so einfach! Ich muss das so kompliziert darlegen, aber wenn es einem aufgegangen ist, wird einem auf einmal alles so einfach: das unendliche eine Leben. Das ist ja zeichenhaft in göttlichen, abgrundtiefen Zeichen dargestellt bei der Taufe Jesu. „Da öffnete sich der Himmel“, heißt es.

„Der Heilige Geist stieg aus dem Himmel herab auf Jesus“. Er war schon vom Heiligen Geist gesalbt, aber hier ist ein Zeichen gegeben, was hier in der Taufe geschieht und was in unserer Taufe geschieht.

Mit der Taufe Jesu wird die Taufe eingesetzt, initiiert und eröffnet, dass sie künftighin ständig auf diese Weise wirke. Das ist unerhört, was da urbeginnt durch das schöpferische Tun Jesu aus dem Vater, dass nämlich der Himmel sich öffnet und einströmt in die Erde. Himmel und Erde sind eine einzige Herrlichkeit des Lebens geworden. Himmel und Erde sind ein Leben Jesu, ein göttliches Leben, wobei die Erde eben noch in der Verwandlung ist und der Himmel ständig einströmt und umgekehrt die Erde ständig noch die Aufgabe des Himmels ist.

Darum sagt auch Jesus: Ihr werdet die Engel über dem Menschensohn auf- und niedersteigen sehen, auf und nieder. Also ein ständiges Zueinander hin, vom Himmel zur Erde und von der Erde zum Himmel. Das ist ein Leben, ein Blutkreislauf, eine ganze Lebensfülle.

Darum heißt es ja auch im Wort des Epheserbriefes, dass Christus die Kirche erfüllt. Wörtlich heißt es nicht, dass er sie erfüllt, sondern dass „die Kirche seine Fülle ist. Jesus ist die Fülle der Kirche und die Kirche ist seine Fülle! Also das ganze volle Jesus-Christus-Sein, ist Jesus und die Kirche als ein Leben, wie Adam und Eva ein Mensch sind, ein Menschsein, zusammen erst das Mensch-Sein sind, zwei in einem Fleische.

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

3 073

26.05.2017, 09:52

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt. 28. Mai 1981. Kassette 439. (Gesamttext 2) Pater Eugen Mederlet OFM

So sind Christus und die gesamte Schöpfung, die er zur Braut schmückt und wandelt, zwei in einem einzigen Leben aus dem einen Herzen Gottes, in einem Lebensodem des Heiligen Geistes. Deshalb ist alles Leiden der Erde das Leiden Jesu im Himmel, und alle Freude des Himmels, die Christus nun in der ganzen Fülle genießt und ausgießt über den Himmel, ist unsere Freude, ist unsere Seligkeit, ist unsere Heimat, ist unser Leben. Darum sind wir schon in den Himmel eingegangen, aber in den Himmel eingegangen in der Weise, wie eben das irdische Leben Jesu war. Wir sind noch in der irdischen Form, aber nicht losgelöst vom Himmel: Wir sind ein Leben mit Jesus mit allen Engeln, mit allen Heiligen, mit Maria, mit Franziskus, mit allen

Heiligen, die uns nahe stehen, auch mit allen Menschen, die uns nahe stehen, die uns schon vorangegangen sind, mit all denen und in denen sind wir alle schon im Himmel. Das ist unsere Heimat. Und umgekehrt leben die alle mit uns das irdische Leben: lebt Christus, lebt Maria, leben alle Engel – das ist ja die Prüfung der Engel gewesen, ob sie bereit sind, hinabzusteigen – lebt Christus mit allen Engeln und Heiligen in unserer Erniedrigung, jetzt noch immer. Er ist ja bei uns!

Die Erniedrigung ist ja zeichenhaft greifbar in der Heiligen Eucharistie, wo er hinabsteigt, Brot zu werden und Wein zu werden und unser Leben zu werden. Wir essen ihn ja, dass er uns wird. „Wer mich isst, wird aus mir leben.“ Also wird er unsere Nahrung, die unser Leben aufbaut, er wird mich. So steigt der ganze Himmel ständig hinab in die Erniedrigung der Erde. Aber damit sind wir, die erniedrigte Erde, ständig wiederum im Himmel.

Die Geschichte des Kosmos ist seit Christus ein ständiger, unendlicher Austausch, bis dann einmal die ganze Erde verwandelt ist; denn in diesem Austausch hat der Himmel die größere Macht. Der Himmel wandelt uns in diesem Austausch inwendig um, dass wir immer mehr fähig werden, dann auch ganz himmlisch zu werden; und dann müssen wir wieder vom Himmel aus mithelfen, die anderen mit Himmlischem zu durchdringen bis eben die gesamte Schöpfung verwandelt ist und er dann erscheinen kann, weil die Braut vollendet ist. Die Hochzeit wird in der ganzen Fülle dann nur noch himmlisch sein, weil die Erde selbst dann Himmel geworden ist. Dann ist sie die neue Erde wie wir ein neues Geschöpf sind. Und doch sind wir die gleichen und wird diese Erde neue Erde sein, zur Neuschöpfung verwandelt.

Auf diese Weise können wir ganz anders aushalten, sehen wir ganz anders diesen demütigenden, erniedrigenden und oft so belastenden Weg des Kreuzes als einen wirklichen Triumphzug, als einen wirklichen, königlichen Einzug in den Himmel.

„Der hinauffuhr in den Himmel, „ sagt Paulus, „Ist der gleiche, der auch hinabstieg in die Niederungen der Erde.“

Mit Niederungen der Erde ist nicht etwa gemeint, dass es Täler statt Berge gibt oder so, sondern der Sohn Gottes kommt in die erniedrigte Erde, die nicht mehr Erde ist, wie sie aus der Schöpfung hervorging, sondern wie sie durch die Sünde verdorben wurde. In der gleichen Weise sagt Johannes wie Paulus: „Das Wort ist Fleisch geworden.“ Diese Knechtsgestalt, dieses erniedrigte Menschsein hat er angenommen.

Wie ganz anders können wir dann diese ganze Erniedrigung annehmen. Ja, mir kam in den letzten Wochen, vor ein paar Tagen eine Erkenntnis: Durch die Erbsünde sind wir erniedrigt und jeder stöhnt und meint, er habe vielleicht doch ein etwas größeres Paket von dieser Belastung bekommen als andere. Wer wäre dann eigentlich der Glücklichste?

Die größte Last hat ja der Sohn Gottes selber. Er hat ja die gesamte Last der Sünde genommen. Da ist mir erst aufgegangen, warum die Heiligen die Allerärmsten so geliebt haben, bis sie die Geschwüre der ekelhaft Kranken mit ihrem eigenen Mund aussaugen konnten. Die selige Angela von Foligno erzählt selbst, wie sie am Gründonnerstag mit ihrer Gefährtin ins Krankenhaus ging und dort die allerschlimmsten Kranken pflegte und ihre Wunden mit ihrem Munde pflegte, und dass ihr dann auf dem Heimweg eine Schuppe im Hals von dem ausgetrunkenen Geschwür geblieben ist, und dass sie dann, um es loszuwerden, es ausgespuckt hat und ganz entsetzt war, als ob sie etwas ganz Schlimmes an Christus begangen hätte, weil sie das ausgespuckt hatte. Sie hat es nicht einmal aus Ekel ausgespuckt, sondern bloß, weil sie nicht mehr schlucken konnte.

Ich habe es kaum lesen können. Da habe ich erkannt, da fehlt mir noch ein ganz tiefer Einblick und eine tiefe Bereitschaft. Das ist mir erst in den letzten Tagen aufgegangen. Theoretisch habe ich es schon erkannt, aber praktisch?

Es ist ganz klar: Wo die größte Erniedrigung ist, das Abscheulichste und Ekelhafteste, dass da die größte Ähnlichkeit mit Jesus ist, dass uns da am meisten Jesus selbst begegnet. Darum sagt er ja: „Was ihr den Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ Wer ist denn der geringste? Doch der, vor dem einem am meisten ekelt. Das ist doch wohl der Geringste. Was wir dem tun, das tun wir Jesus.

Es ist doch eigentlich ganz klar, dass der Belastetste, von der Erbsünde am meisten Erniedrigte, am meisten Jesus gleicht. Das können wir erst begreifen wenn uns aufgeht, dass damit die unendliche, nicht mehr auszudenkende Gemeinschaft mit dem himmlischen Christus entsteht, dass das alles Triumphzug ist. Denn das eine bekennen wir – da sind wir in allen Konfessionen einig - , dass für Jesus das Leiden ein Triumphzug war, dass sein Leiden und Sterben am Kreuz ein Sieg ist.

Das verkünden wir alle: Jesus, der Sieger, Jesus siegt. Wer sagt das nicht?

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

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26.05.2017, 09:54

Der Himmel ist noch auf Erden und die Erde ist schon im Himmel. Das dynamische Leben der Kirche. Predigt zum Hochfest Christi Himmelfahrt. 28. Mai 1981. Kassette 439. (Gesamttext 3 und Schluss) Pater Eugen Mederlet OFM

Aber wenn es für Jesus der Sieg war, dann muss es ja auch für uns der Weg des Sieges sein. Er sagt: „Folge mir nach!“ „Wer mein Jünger sein will, der nehme jeden Tag sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Also ist das auch für uns der Siegeszug. Das müsste uns doch ganz anders erfüllen. (Ich könnte es doch auch nicht, obwohl ich es eingesehen habe.) Ich sage euch also nicht, ihr solltet hingehen und eiternde Wunden mir eurem Mund austrinken. Aber erkennen, dass wir wenigstens in dem, was uns aufgetragen ist, eigentlich eine Gnade sehen sollten, und zwar eine himmlische Gnade, eine bräutliche Gnade. Es ist Brautgabe. Jede Wunde ist Brautgabe, da es die Wunde des Bräutigams ist, und zwar die Wunde des Bräutigams, mit der er mich liebt, mit der er mir sein Leben gibt: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Er gibt mir seinen Leib, als diesen verwundeten, am Kreuz geopferten Leib. Das ist der Leib meines Bräutigams, des Bräutigams der Kirche.

Also müsste es uns doch wirklich einen Triumphzug bedeuten, am Leiden Jesu teilzunehmen. Gelesen haben wir das hundertemal. Ich lese es immer wieder als Kapitel und wir singen es als Canticum usf. . Bei Petrus z.B.: „Wenn ihr an den Leiden Jesu teilhabt, freut euch, weil ihr dann auch bei seiner Herrlichkeit der Ankunft frohlocken werdet ohne Grenzen.“ Das wissen wir alle. Wir haben es so oft gebetet und gesagt. Oder: „Es ist kein Vergleich zwischen den Leiden dieser Zeit und der zukünftigen Herrlichkeit.“ Das sagen wir mit dem Mund und irgendwie ganz da oben glauben wir es auch. Aber wir haben es nicht einmal da oben durchdacht.

Wir bilden uns ein, es zu glauben, weil wir, selbstverständlich wollen, dass alles wahr ist, was in der Schrift steht. Aber das wir es in Wirklichkeit gar nicht glauben, zeigt unser Benehmen, zeigt unser Urteil, das wir haben über Leiden, über unseres und das der Welt.

Es ist himmlische Gnade, wenn wir an diesem irdischen Weg des Bräutigams Christus einen möglichst tiefen bräutlichen Anteil haben. Eine heilige Angela von Foligno: Das ist die Braut. Es ist aber auch unaussprechlich, welche Liebe Gottes sie erfahren hat, wie Gott sie liebt. Er sagt ihr oft: „Meine Tochter, du bist von mir unendlich mehr geliebt, als du mich je lieben kannst.“

Weil sie eben bereit war, mit ihm diesen Weg dieser Liebe zu gehen, dieses Zeichen der Liebe zu tun: Das Kreuz. Aber eben das ist himmlisch.

Das ist der Siegeszug. Vom Ölberg aus ist Jesus unter dem Jubel der palmzweigschwenkenden Menge in den Tempel als Messiaskönig eingezogen und der Palmzweig ist im Zeichen der Kirche das Siegeszeichen der Märtyrer geworden, weil der Einzug in Jerusalem der Märtyrereinzug Jesu war. Und von diesem Ölberg aus ist er in den Himmel aufgefahren. Vom Ölberg aus hat er die Apostel gesandt in alle Welt. Vom Ölberg aus ging der Hochzeitszug, die Königshochzeit, die in den Himmel einzieht.

Diese Einheit zwischen Himmel und Erde, diese Einheit zwischen Leiden und Freude, zwischen schmachvollem Kreuzesopfer, verspottet und verworfen und schreiend: „Warum hast du mich verlassen?“ ist zwischen diesem Kreuzesopfer und der Seligkeit im Himmel. Es ist derselbe, der hinaufstieg über alle Himmel. Einheit zwischen der Seligkeit des Himmels und dem Opfer am Kreuz. Einheit zwischen der Not unseres irdischen Lebens und der Herrlichkeit der Seligen im Himmel. Es ist ein Leben.

Der Fuß hat noch Schmerzen, aber in diesem Schmerz der Erde ist der ganze Himmel dabei.

Dann aber dürfen auch wir und sollen wir bei der ganzen Seligkeit des Himmels schon dabei sein – es ist ein Leben.

Deshalb ist bei Franziskus Schmerz und Freude so eins. Das ist dann die vollkommene Freude, wo der Schmerz selbst die Freude ist. Nicht in einer sadistischen Selbstzerquälung, sondern im himmlischen Geheimnis, dass der Schmerz die Brautgabe ist zur himmlischen Seligkeit, nicht nur wird, sondern schon mit ihr eins ist.

Im Hebräerbrief heißt es, dass wir bei der Taufe hinzugetreten sind zum himmlischen Jerusalem, zum Festjubel, zur Festversammlung der Myriaden von Engeln und der Geister der vollendeten Gerechten und zum Throne des Erbarmens, zum Vater, in dem Christus aus seinem Herzen alles Erbarmen ausgießt, den Heiligen Geist. Wir sind zum Himmel hinzugetreten. Wir sind in den Weinstock eingepflanzt worden. Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock.“ Der Weinstock selber ist ja schon im Himmel. Und die Rebzweige, die schon an ihm gewachsen sind, alle Heiligen, sind ja schon im Himmel. Also sind wir jetzt Knospen am himmlischen Weinstock.

Bei der Taufe sind wir in den himmlischen Weinstock eingepfropft, eingepflanzt worden, damit wir jetzt von dorther, vom Himmel her, das Leben bekommen. Deshalb nimmt es der Himmel auf sich, in uns noch so niedrig und sogar noch durch Sünde hindurchgehen zu müssen und so niedrig zu sein. Das nimmt der Himmel auf sich, weil es Jesus, der Sohn Gottes, auf sich genommen hat.

Alles ist schon erlöst im Himmel. Ob wir die Erlösten sind, hängt nur noch von uns ab, ob wir es annehmen, wie weit wir das himmlische Leben annehmen, um dieses himmlische Leben jetzt irdisch im Kreuz zu leben, aber im Kreuz als dem Braut- und Hochzeitsweg, dem Hochzeitszug zur Vollendung im Himmel. Das Maß dieser Hoffnung, das uns zugemessene Leben, zu dem wir hinpilgern, schon durchströmt vom himmlischen Leben, ist die Auferstehung Christi und die Himmelfahrt, ist die Herrlichkeit, mit der er jetzt im Himmel thront.

Sagt mir doch einmal, dass das Kreuz etwas Niederdrückendes sei. Sagt mir einmal, dass man hier im Franziskushof immer nur vom Leiden spreche. Es mag schon sein, dass wir von dem mehr sprechen. Es ist auch das Naheliegendere. Wenn ich im Fuß ein Leiden habe, sage ich natürlich, ich leide. Aber das Leiden ist doch immer und immer durchstrahlt von der himmlischen Herrlichkeit. Es ist der Siegeszug, es ist der Hochzeitszug der sündigen, verlorenen Erde, gerettet durch die Taufe, wo der Himmel einströmte, Hochzeitszug Jesu vom Ölberg in den Tempel, vom Ölberg in die Herrlichkeit des Himmels. Wer siegt, wer durch diesen Hochzeitszug mit der Palme des Martyriums hindurchgeht, wer siegt, dem werde ich geben mit mir auf dem Thron zu sitzen, in der Königshochzeit mit mir gekrönt zu sein und in der ganzen Vollmacht eingesetzt, wie ich gesiegt habe mit der Palme des Martyriums, wie ich gesiegt habe vom Ölberg aus und mich mit dem Vater auf den gleichen Thron gesetzt habe.

Amen.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

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27.05.2017, 10:22

In der Einheit des Heiligen Geistes. Pfingstsonntag, 30. Mai 1982. (1) Pater Eugen Mederlet OFM, Kassette 464, Ein franziskanisches Epos auf Schöpfung, Sündenfall und Erlösung von Engel, Mensch und Erde



Geliebte im Herrn!

Wir singen und beten so oft am Schluss der Orationen „in der Einheit des Heiligen Geistes“ und im Hochgebet der Messe flehen wir, dass wir „ein Leib und ein Geist“ werden mögen. Was bedeutet das?

Bedeutet das nur, dass wir gesinnungsmäßig übereinstimmen? Wie man so sagt „ein Herz und eine Seele“, in einem Zusammenklang unserer Seelen? Ist das schon genug?

Jesus fleht zum Vater und gibt es an als Frucht seines Kreuzesopfers, dass wir so eins seien, wie er mit dem Vater eins ist. Die Einheit kann ja nicht nur unter jenen sein, die enger zusammenleben, und die anderen gehen mich nichts an. Das wäre ja nicht die Einheit aller Menschen, der ganzen Schöpfung. Dann wären ja auch im Himmel lauter Einzeleinheiten, so wie man im großen Speisesaal um kleine Tische herum zu sechsen sitzt, die haben dann gute Gespräche untereinander, aber mit den anderen ist keine Verbindung da. Selbst wenn wir mit allen Menschen, die jetzt leben, in Einheit in einer inneren Gemeinschaft stehen würden, dann wären wir es doch nicht mit allen vergangenen Generationen und mit den kommenden.

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

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Gestern, 09:40

In der Einheit des Heiligen Geistes. Pfingstsonntag, 30. Mai 1982. (2) Pater Eugen Mederlet OFM, Kassette 464, Ein franziskanisches Epos auf Schöpfung, Sündenfall und Erlösung von Engel, Mensch und Erde


Es ist auf alle Fälle eine Einheit, die alles Psychische übersteigt, denn alle sollen miteinander eins werden, alle, die gesamte Schöpfung, auch die Engel mit den Menschen; denn sonst sind ja wieder zwei Kammern im Himmel, so wie in einer Regierung zwei Kammern sind: Das Oberhaus und das Unterhaus. Da wären die Engel für sich eine Gesellschaft und die Menschen wieder für sich eine Gesellschaft. Das ist auch nicht möglich. Und wenn die Erde erneuert wird, dann kann es auch wieder nicht so sein, dass die Erde etwas Fremdes ist, dass man nicht recht weiß, was sie bedeutet. Da wäre die Erde für sich, die Menschen für sich und die Engel wieder für sich. All das ist unmöglich!
Die Schöpfung ist eine. Was bedeutet dieses Eins-Sein? Wie können wir es vielleicht ein wenig erahnen?
Ich möchte versuchen, euch mitzuteilen, wie es mir aufgeht:

Die gesamte Schöpfung ist eins und ist von Anfang an von Gott so erschaffen, dass sie ein unvorstellbares Kunstwerk der Harmonie darstellt. Beginnen wir einmal mit den Engeln im Himmel, den Ersterschaffenen. Unter diesen Myriaden, Billionen, ja noch unermesslicher, als wir in Zahlen ausdrücken könnten, Scharen von Engeln: Wenn in einem Engel ein Gedanke aufsteigt, ist dieser Gedanke einklingend in alle. Die Gedanken und die Liebesglut eines jeden klingt zusammen in eine einzige, unendliche Fülle, ein nicht mehr vorstellbares Kunstwerk der Harmonie. Wenn wir die schönste, herrlichste Symphonie, die je auf Erden komponiert worden ist, von den allerschönsten und vollendetsten Künstlern gespielt, uns vorstellen würden, wo dann die eine Geige die Melodie spielt, aber nicht für sich. Der Geiger wird auch nicht sich selbst wie ein Solo hören. Er spielt sich hinein ins Ganze und klingt zusammen mit der Trommel, mit der Klarinette, mit der Oboe, mit der Bratsche, mit dem Cello, mit der Bassgeige, alles klingt in eine einzige, unerhörte Harmonie, eben das wunderbare Kunstwerk. Wenn ich eine einzelne Melodie hören würde, wäre das vielleicht schon ganz schön, besonders wenn es die von ersten Geiger wäre, aber ich würde nicht herausspüren, was es eigentlich ist. Der erste Geiger wäre trostlos, wenn er das als Einzelner vorspielen müsste. Er erkennt sich selbst und den Wert seines Spielens in dem, was es im Ganzen wird.

Fortsetzung folgt.
Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. (Apg 17, 28) Denke daran, das jedes Werk, das der Verbreitung des Glaubens dient, weit über jedem anderen guten Werke steht. Die wichtigste Angelegenheit, die es in der Welt überhaupt geben kann, ist die Rettung einer Seele. (Vinzenz Pallotti)

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