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Klomb

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21

02.09.2017, 11:56

Nein, wieso denn. Sozialismus, Liberalismus, Katholizismus, das sind drei Ideologien!

Ich mag und gebrauche das Wort "Katholizismus" überhaupt nicht. Der Sozialismus und Liberalismus unterscheiden sich vom christlichen Glauben dadurch, daß letzteres explizit transzendent ist während ersteres beides sich bloß an die objektiv wahrnehmbaren ("real existierend" in der Sozialismussprache) und daraus ableitbaren Phänomenen orientiert: Sozialismus und Liberalismus sagen z.B. nichts über das Leben nach dem Tod aus. Umgekehrt ist die katholische Soziallehre nicht so detailliert, daß man als Katholik keinen Raum mehr für eine politische Meinung hätte. Im Gegenteil gibt es positive Wechselwirkungen zwischen Glaubensentwicklung und der Änderung der politischen Überzeugungen: Dorothy Day wandte sich vom Sozialismus ab, als sie katholisch wurde. Umgekehrt wurde Robert Sirico katholisch und sogar Priester, nachdem er auf das Studium der Schriften von F. A. von Hayek sich von seinen sozialistischen Überzeugungen gelöst hatte.

Das sind natürlich alles Beispiele aus dem liberalen, libertären bis hin zum christlich-anarchistischen Bereich. Andere Beispiele kann ich nicht geben, weil ich nicht zu denen gehöre, die die Frage nach der Gewalt ignorieren, an die der Herrgott in Mt. 20,25 erinnert. Denkt man daran, daß die Gewalt das ist, wovon sich Christen enthalten sollen, dann sehen viele Lösungen anders aus.

Beispielsweise die Frage nach der Betäubungspflicht beim Schächten, über die Du mit @Dammerl diskutiert hast. Für mich sieht die Sache so aus: Selbst wenn es gut wäre, daß Tiere nicht unbetäubt geschlachtet werden und selbst wenn es gut wäre, daß Juden zu diesem Zwecke nicht mehr koscher Fleisch essen können, bleibt doch die Frage, ob es gut ist, die Staatsgewalt einzusetzen, damit dieses erzwungen wird. Darüber habt Ihr beide gar nicht nachgedacht.

Meine Antwort ist, daß es schlecht ist, denn der Heilige Kirchenvater bekannte:

Zitat von »Augustinus«

Niemand aber handelt gut wider seinen Willen, mag auch gut sein, was er tut. So handelten auch nicht die gut, die mich zwangen, aber das Gute kam mir von dir, mein Gott.

Daher würde es selbst dann nicht gut sein, durch Staat und demokratische Teilhabe andere zur Betäubung beim Schlachten zu zwingen, wenn Betäubung gut wäre. Es ist ein fatales Mißverständnis, daß Gott Gebote erlassen habe, damit bestimmte Dinge getan oder unterlassen würden, notfalls mit Gewalt. Vielmehr hat Er Gebote gegeben, damit wir leichter zu einem erfüllten Leben finden.

El Dakhel

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22

02.09.2017, 17:44

Ich mag und gebrauche das Wort "Katholizismus" überhaupt nicht. Der Sozialismus und Liberalismus unterscheiden sich vom christlichen Glauben dadurch, daß letzteres explizit transzendent ist während ersteres beides sich bloß an die objektiv wahrnehmbaren ("real existierend" in der Sozialismussprache) und daraus ableitbaren Phänomenen orientiert: Sozialismus und Liberalismus sagen z.B. nichts über das Leben nach dem Tod aus.
Du hast recht. So wollte ich mit meiner (provokativen!) Aussage auch nicht verstanden werden. Ich meinte nur, dass der "Katholizismus", weil er die Welt deutet und Normen beinhaltet, eben rein innerweltlich betrachtet werden kann als eine Ideologie nach der Definition, ein Ismus. Er ist natürlich in Realität mehr als das bzw. etwas anderes. Aber eben weil er ("der Katholizismus") die Welt verändert, verändern muss, denn nicht nur die einzelnen Seelen, sondern auch die gesellschaftlichen Verhältnisse sind erlösungsbedürftig, und Christus meint den ganzen Menschen, zu dem seine sämtlichen Beziehungen dazugehören, muss die Kirche auch eine Gesellschaftslehre haben. Gerade um nicht im Verdacht zu stehen nur "Opium fürs Volk" abzuliefern. Und na klar, es gibt diese wechselseitige Beeinflussung zwischen den Lehren, und die katholische Soziallehre greift die Idee des Individuums und die des Kollektivs gleichermassen posititv auf, im Gegensatz zu den reinen Ismen, Liberalismus, Sozialismus, die beide eine starke Unwucht besitzen, namlich bei ersterem mit der Ausblendung der Kollektivität (und wenn jeder für sich sorgt ist ja für alle gesorgt) und bei letzterem mit der Ausblendung der Individualität (das Individuum ist nichts)

Ich habe übrigens auch mit dem Begriff "Islamismus" meine Schwierigkeit, genau wie mit "Katholizismus". Es ist dasselbe Problem, das was über die Welt hinausweist. Warum ich das Wort selber verwendet habe, naja mir stand gerade der Hals ein bisschen keck, habe auf dein Stichwort "Liberalsimus" reagieren wollen und einen draufsetzen, aber ich wollte auch diese Beziehung gerade zum Ausdruck bringen, die ich eben erklärt habe. Und die katholische Soziallehre will nicht die politische Meinung des einzelen festlegen. Das meine ich aber auch. Aber sie beinhaltet sehr viele Grundsätze, darum mein Vergleich mit einem Grundsatzprogramm, vielleicht besser "Leitfaden" was gute Politik haben muss, oder keine Ahnung.

PS: der falsche politische Katholizismus ist übrigens auch mein Hauptproblem mit diversen Kommentarschreibern. Er scheint ja selbst dann noch gut zu funktionieren, wenn man an den Gott Hegels glaubt, wie nicht wenige dort bekennen.
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Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »El Dakhel« (06.09.2017, 19:54)


El Dakhel

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23

02.09.2017, 19:12

Es ist so: ich merke, ich habe einfach viel zu viel Zeit mit diesem Schlachter verbracht und das hat mich so "materialistisch" verrohen lassen , dass wenn mich einige lesen, sie jetzt zusammenzucken müssen wie wenn ein Hackmesser auf den Tisch knallt. :D ;(
Von solchen wird man ja bekanntlich ein solcher...
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herzrosenduft

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24

04.09.2017, 10:58

Am Sonntag treffen Frau Merkel und Herr Schulz zu einem Rededuell im Fernsehen aufeinander. Da bin ich ja gespannt...


Kommentar zum Fernsehduell mit Video davon: http://kath.net/news/60793
_______________________________________________________________________________________

Der Papst betont die Wichtigkeit eines „christlichen Stils“ der Präsenz auch in der digitalen Welt:

„Dieser verwirklicht sich in einer Form
aufrichtiger und offener, verantwortungsvoller und dem anderen gegenüber
respektvoller Kommunikation“.

El Dakhel

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25

04.09.2017, 14:45

Dieser Schulz hat mich insgesamt enttäuscht. Anfang des Jahres hätte ich ihn noch gewählt, allein aus Sympathie. Das hat er alles in den letzten drei Monaten verspielt. Gestern wieder frech, und dann am Ende noch so ein Gedicht vorgetragen. Keine Chance.
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Klomb

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26

05.09.2017, 14:47

Und na klar, es gibt diese wechselseitige Beeinflussung zwischen den Lehren, und die katholische Soziallehre greift die Idee des Individuums und die des Kollektivs gleichermassen posititv auf, im Gegensatz zu den reinen Ismen, Liberalismus, Sozialismus, die beide eine starke Unwucht besitzen, namlich bei ersterer die Überbetonung der Individualität (und wenn jeder für sich sorgt ist ja für alles gesorgt) und beim letzteren die Überbetonung des Kollektivs (und das Individum ist nichts)
Was Du genau mit Überbetonungen meinst, ist mir unklar. Ich finde, die Frage nach der Wahrheit beantwortet sich nicht wie die Wahl eines optimalen Punktes im R^1, wo man zu weit "links" oder "rechts" sein kann.

Alfred Delp war jedenfalls sehr Kollektivismuskritisch; er nannte es "Vermassung" ("Der Mensch vor sich selbst" könnte wohl ganz interessant sein). Ich glaube, wenn man kirchliche und Parteitags"liturgie" miteinander vergleicht, dann erkennt man sehr deutlich den Unterschied. Parteifunktionäre reden fast nur zur Masse. Die kirchliche Liturgie hingegen gipfelt in einer höchst individuellen Handlung, nämlich in Spendung und Empfang der Heiligen Kommunion.

El Dakhel

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27

05.09.2017, 15:29

Zitat

Liberalismus, Sozialismus: namlich bei ersterem die Überbetonung der Individualität (und wenn jeder für sich sorgt ist ja für alle gesorgt) und bei letzterem die Überbetonung des Kollektivs (und das Individuum ist nichts).

Was Du genau mit Überbetonungen meinst, ist mir unklar. Ich finde, die Frage nach der Wahrheit beantwortet sich nicht wie die Wahl eines optimalen Punktes im R^1, wo man zu weit "links" oder "rechts" sein kann.
Nee, ich meinte auch eher die Ausblendung des jeweils anderen, das passt dann auch besser zu dem was ich in Klammern geschrieben habe. Sorry, da waren auch einige Fehler drin. Es sollte natürlich heißen: "dann ist ja für alle gesorgt."
Dann können wir glaube ich wieder in Dimensionen >1.

Den Vergleich der drei Ismen habe ich übrigens von so einem Schnösel, Juan Donoso Cortés, der sich mit politischer Theologie befasst hat. Man findet etwas dazu bei Wikipedia, auch über den betreffenden Essay.
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Der Gärtner

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28

08.09.2017, 16:20

http://kath.net/news/60828

Mir ist gerade etwas unklar, warum mein Post mit einem Link zur Rede eines Friedensforschers vorne nicht durch ging.

Der Rest meines Post vorne ergibt sich aus der Rede.
Herr, lehre mich deine Gebote

Charlie

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29

15.09.2017, 18:24

Klick
Soviel zur AfD... widerlich, dieser Alt-Nazi!
Was für ein Fest: bei Jesus sein, bei seiner Mutter, bei all den lieben Freunden, die schon am Ziel sind.
Und wenn Ihr eines Tages nachkommt: was für eine Freude!

Aus dem Vermächtnis August Peters, Weihbischof von Aachen

MaxJosef

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Beruf: Gartenbautechniker

30

16.09.2017, 21:34

Dass die AfD keine christliche Partei ist, ist unstrittig. Der Rechtsaußen der AfD, Björn Höcke, ist sogar dezidiert antikatholisch eingestellt, ich hab mal eine Rede von ihm auf YouTube angehört. Für mich kam er so rüber, als sei es bedauernswert, dass das reine wehrhafte mannhafte Germanentum irgendwann mit dieser christlich-jüdischen Humanitätsduselei verdorben worden sei. Also, ein richtiger Nazi ist dieser Höcke wohl nicht, aber seine Ideen sind mit dem katholischen Glauben unvereinbar.

Zu der Gauland-Rede, die mein Vorredner Charlie hier verlinkt hat, fällt mir ein: Gauland hat ja sogar recht, wenn er sagt, dass die Nazizeit mittlerweile so lange vergangen ist, dass diese 12 Jahre für uns heute Lebenden halt nicht mehr so eine große Rolle spielen sollten. Die Menschen, die diese Zeit noch bewußt erlebt haben, sind mittlerweile im Greisenalter oder längst tot. Ich selber bin 55 Jahre alt, also lange nach Kriegsende geboren, aber als ich jung war, in den 70er/80er Jahren, da war diese Zeit noch viel präsenter, als sie es heute ist. Die Kriegsteilnehmer waren Leute in den besten Jahren, auch mein eigener Vater hat noch von 1943 bis 1945 in der Wehrmacht gedient. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass mein Vater besonders stolz gewesen wäre auf seine Zeit bei der Wehrmacht. Wenn er mit uns Kindern darüber gesprochen hat, hat er die sogenannte Großdeutsche Wehrmacht eher immer ein bißchen ins Lächerliche gezogen, und lächerliche Aspekte hatte die Wehrmacht genügend. Eine Anekdote meines Vaters zur Illustration: Der Kompaniefeldwebel meines Vaters, der "Spieß", war ein schwerer Säufer. Wenn nun dieser Spieß abends volltrunken, gestützt auf zwei Kameraden, wieder in die Kaserne einpassierte, präsentierte die Wache, wie es Vorschrift war, zackig das Gewehr, natürlich ein Grinsen im Gesicht.

Es gäbe imho einige Gründe, die dafür sprechen, AfD zu wählen. Der wichtigste ist wohl: Mit der AfD käme es wieder zu wirklichen Debatten im Bundestag, es würden wieder unangenehme Fragen an die Regierung gestellt, also das, was eigentlich die Aufgabe eines Parlamentes ist und das uns in Deutschland ziemlich vollständig abhanden gekommen ist. Eine Opposition haben wir in Wirklichkeit überhaupt nicht mehr. Wenn man sich vorstellt, dass Angelas Flüchtlingspolitik, die unser Land grundstürzend verändert hat und noch weiter verändern wird, im Bundestag nicht einmal debattiert wurde! Ist das demokratisch? Nein! Das gleiche kann man sagen von der "alternativlosen" Eurorettungspolitik oder von der ruckzuck eingeführten Homoehe.

Schade, dass die AfD größtenteils von so unmöglichen Typen dominiert wird. Die AfD wird vielleicht eine gute Oppositionspartei sein, aber an die Regierung sollten diese Burschen, jedenfalls in ihrer heutigen Aufstellung, niemals kommen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »MaxJosef« (16.09.2017, 21:46)


El Dakhel

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31

17.09.2017, 23:57

Der Rechtsaußen der AfD, Björn Höcke, ist sogar dezidiert antikatholisch eingestellt, ich hab mal eine Rede von ihm auf YouTube angehört. Für mich kam er so rüber, als sei es bedauernswert, dass das reine wehrhafte mannhafte Germanentum irgendwann mit dieser christlich-jüdischen Humanitätsduselei verdorben worden sei. Also, ein richtiger Nazi ist dieser Höcke wohl nicht, aber seine Ideen sind mit dem katholischen Glauben unvereinbar.
Ja, man kann es noch präzisieren und auf die Partei verallgemeinern: es ist mal wieder die deutsche Los-von-Rom-Euphorie, wobei "Rom" selbstverständlich mit all diesen undeutschen Dingen besetzt ist. Was sagt denn Gauland? Mit Bismarck fand seine Vollendung, was mit Luther begonnen hatte und von Lessing fortgesetzt usw. Hat er's nicht gesagt? (Habe mir das gester angehört; fand, das beste war noch die Krawatte.) Bismarck! (na klar, als Kulturkämpfer gegen Pius IX. -- Bismarck würde übrigens, ganz nebenbei bemerkt, gallsüchtig, fände er sich heute in so einer AfD-Eloge wieder) Mit Lessing ist die Ringparabel gemeint, haha, was sonst? Das ist bis hierhin natürlich noch recht harmlos, will dem Mann auch keine Dinge unterstellen (von wegen Nazi), aber Fakt ist dass dies eine bekannte Meistererzählung ist, die jeder Nazi-Barde nun ungefähr so beschließen würde: Die Religion ist einerlei, im Blute liegt die Schweinerei. Wo finden wir das alles wieder, einschließlich Lobeshymne auf Luther: bei Rosenberg! Gauland redet lieber von Staufenberg. Staufenberg -- sehr interessant -- ein Name, der beim Namedropping nicht fehlen darf, der gerne von Krypto-Nazis und praktisch jedem Rechten notorisch gebraucht wird um keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass man auf der guten Seite ist.
Wenn man sich vorstellt, dass Angelas Flüchtlingspolitik, die unser Land grundstürzend verändert hat und noch weiter verändern wird, im Bundestag nicht einmal debattiert wurde!
Ja, eine grundstürzende Veränderung für mich als Niedersachsen: ich werde nun von fahrradfahrenden Afrikanern (vielleicht aus Südsudan, oder Tschad, wohin man selber nie in den Urlaub fahren würde) morgens mit einem Lächeln gegrüßt, was ich von meinen sonnenlosen Landsleuten gar nicht gewohnt bin. So unterschiedlich sind die Ansichten. Ich finde gerade das noch das Beste was Angela gemacht hat. Nun, bis hierher hat der Herr geholfen. Und du sagst, das Land wird sich noch weiter verändern. Na das hoffe ich doch ;) (es scheint ja auch irgendwie ein Naturgesetzt zu sein. Alles ist im Fluss...) Also es kommen noch 5 Mio. Zuwanderer. Haben wir genug Fahrräder für die ganzen jungen afrikanischen Männer?
Nein, ich glaube doch sowieso nicht an den deutschen "Wertehimmel"; wieso sollte ich mir also Sorgen machen, dass hier bei uns irgendwas einstürzt oder das uns das christliche Abendland um die Ohren fliegt, wenn ein paar Pigmentierte kommen, die noch menschenfreundlichere, lebensfreundlichere Ansichten vertreten als hiesiges Volk. Bei dieser rührenden, paternalistischen Sorge um die deutsche "Zivilreligion" mit 10-Punkte-Doktrin eines de Maizière kommen mir die Tränen. Sehr gut, dass Angela die Flüchtlingssache nicht im Bundestag hat zerreden lassen, denn sie hätte ihre Gewissensentscheidung, die sie hatte, gegen den Strom der öffentlichen Meinung, der mit einer Debatte unweigerlich in Gang gesetzt worden wäre, nicht mehr durchsetzen können. Dieses Vorgehen erwarte ich so von der Kanzlerin, auch eingedenk Kant: über ethische Dinge abstimmen ist pöbelhaft. Die Deutschen sehen das ja ähnlich, darum wird Merkel weitere vier Jahre Kanzlerin sein. Ist doch nicht schlimm, wenn es da in Berlin nicht immer so ganz parlamentarisch vor sich geht. Keine Angst, es gibt schon genug Kontrolle durch Öffentlichkeit. Nebenbei: eine unparlametarische Regierung (Regierung ohne Öffentlichkeit) gibt es sowieso nicht und kann es im modernen Zeitalter gar nicht geben, die gab es zuletzt etwa in der Zeit von Friedrich dem Großen. Also als kleiner Trost: Merkel kann nicht durch Kabinettsordre regieren ("Car tel est notre bon plaisir").
Ist das demokratisch?
Vox populi vox dei?

Nein, natürlich nicht. Gott sei Dank! Das wär ja noch schöner! Die Stärke unseres Staatsform, der "indirekten Demokratie", liegt doch genau darin, dass es keine Demokratie in des Wortes bittlichster Bedeutung ist. Sie beruht nicht auf imperativen sondern auf freien Mandaten. Denn ich werde gewählt, damit ich eigenverantwortlich handele, nicht damit ich als Hampelmann meinen Wählern nach dem Munde rede und dem Volk zu Gefallen handele! Natürlich, wenn ich dem Volk nicht gefalle, kann es sein dass ich irgendwann nicht mehr aufgestellt und nicht mehr gewählt werde, aber der nach mir kommt handelt wieder nach seinem eigenen Gewissen (idealerweise jedenfalls). Und hier muß die Ratio sein, hier gehören die ethischen Fragen hin, wo sie sicher sind vor jeglichem Volkszorn und sonstigen Gefühlsüberschwemmungen. Leider sind wir vom Ideal aber gelegentlich weit entfernt: am Tag der Entscheidung zum Thema "Ehe für alle" (über das man doch nun wirklich heftig parlamentierte) wurde von einigen auf der Befürworterseite ganz groß getönt, dass das Parlament nun, da es endlich mal aufs Volk hörte, wieder vollumfänglich "demokratisch" sei. Leute die sowas sagen gehören für mich nicht ins Parlament, jedenfalls nicht in unser Parlament. Es ist ein Lob auf das "gesunde Volksempfinden", mehr nicht.
Es gäbe imho einige Gründe, die dafür sprechen, AfD zu wählen. [...] Schade, dass die AfD größtenteils von so unmöglichen Typen dominiert wird. Die AfD wird vielleicht eine gute Oppositionspartei sein, aber an die Regierung sollten diese Burschen, jedenfalls in ihrer heutigen Aufstellung, niemals kommen.
So als "Opposition in Ketten" wäre die AfD ganz gut, oder? Mit der Logik kann ich nichts anfangen. Ja, und man muß nur die Matadore oben auswechseln, dann würde man die Partei schon sauber bekommen. Mal im Ernst: in den meisten Organisationen sind die Oberen in ihren Ansichten noch die "Edelsten". Gut, bei politischen Parteien muß man auch die seelische Korrumpiertheit durch Macht in Rechnung ziehen, aber trotzdem ist es so. Nun sind die Oberen der AfD schon eine Katastrophe; Gauland ist ein Scharfmacher, hört man ja ganz eindrücklich an seiner Rede. Aber sind denn die Wutbürger, die ihn wählen besser? Oder die Progrommobs vor Flüchtlingsheimen im Osten? Oder Hack und Mack auf der Straße bei Pegida-Demonstrationen? Nein, die sind noch schlimmer. Hör dir die chauvinistischen Kläffern ("Abschieben! Abschieben!") im Hintergrund von Gaulands Rede an. Da graut es einem doch.
Gauland hat ja sogar recht, wenn er sagt, dass die Nazizeit mittlerweile so lange vergangen ist, dass diese 12 Jahre für uns heute Lebenden halt nicht mehr so eine große Rolle spielen sollten. Die Menschen, die diese Zeit noch bewußt erlebt haben, sind mittlerweile im Greisenalter oder längst tot.
Dass die Zeitzeugen tot sind ist ja gerade der Grund, warum Leute heute drauf und dran sind, den gleichen Versuchungen zu verfallen wie damals! Lösung: mehr Holocaustdenkmäler!
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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »El Dakhel« (18.09.2017, 00:08)


El Dakhel

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32

17.09.2017, 23:58

Hoppla, Beitrag war zu lang. Teil II

Zitat

Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass mein Vater besonders stolz gewesen wäre auf seine Zeit bei der Wehrmacht.
Wieder ein anderes Thema: Z. B. die Bewertung der deutschen Schuld am ersten Weltkrieg sieht man heute anders, auch die Nichtdeutschen. Da hat damals ein gutes Stück Siegermoral geherrscht, das ist klar. Bücher wie "Die Schlafwandler" von Christopher Clark lesen in Deutschland natürlich v. a. die Chauvinisten. Egal, darum geht es nicht. Es geht darum, dass was Wahres dran ist. Auch die militärische "Performance" der Wehrmacht im zweiten Weltkrieg kann man ganz unbefangen bewerten (van Creveld, ein Jude, hat das getan) In Israel hat man sich schon kurz nach dem Krieg mit ehem. deutschen Militärs ausgetauscht: du warst beim Unternehmen Kreta dabei? Komm her und erzähl uns. Die israelische Armee hat militärisch sehr viel von der Wehrmacht übernommen.

Zitat

Gauland: "haben das Recht, stolz auf die Leistungen Deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen zu sein"
Stolz und Ehre... brisante Begriffe. Ehre wem Ehre gebührt. Wir in der BRD erhalten (und errichten sogar) Ehrendenkmäler für unsere Gefallenenen aus zwei Weltkriegen, weisen ihnen in Worten Respekt zu, wie aus den zahllosen Gedenktafeln ersichtlich. Die Frage ist nur: erweise ich auch den Soldaten ehemals verfeindeter Länder Ehre (die BRD tut dies), pflege ich auch deren Kriegsgräber, nicht nur die eigenen, oder bin ich diesen gegenüber vielleicht mit negativen Affekten besetzt oder sogar verächtlich eingestellt. Es läuft bei den Negativformen (vgl. Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus) grundsätzlich auf die Erniedrigung des anderen hinaus. Gauland nennt seine Weise des Vaterlandsbezuges ja "Patriotismus". Seine grölenden Zuhörer geben eher
von der Schattenseite Zeugnis. "Stolz sein auf die eigene Armee" kann dann auch Jingoismussein, pures Überlegenheitsgetue und Kraftmeierei. Ich möchte aber dazu raten, diese Empfindung, die Person, die sie äußert, einmal außer Acht gelassen, nicht rundweg zu verurteilen oder gehöre jedenfalls zu denjenigen, die glauben, dass es zwischen Schwarz und Weiß auch noch ein paar Grautöne gibt. Bitte, was macht denn der Verfasser des verlinkten Artikels daraus? "AfD-Spitzenkandidat Gauland findet, Deutsche sollten stolz sein auf Leistungen in zwei Weltkriegen." Wessen Leistungen denn? Man denkt hier natürlich -- das wird vom Autor insinuiert -- an die Taten der großen Beweger des NS, an die Planer und Befehlshaber, an Hitler und seine zum Teil verbrecherischen Generäle und ihre Lakaien, an die Massenerschießungen usw. und dass Gauland darauf stolz ist. Dann schreibt er, und das ist, kann man schon sagen, Rufmord an Gauland: "Die Wehrmacht behandelte Gegner systematisch nicht nach Kriegsrecht. Sie ermordete Zivilisten. Sie bereitete den Gräueltaten der SS den Boden. Gauland fordert ein Recht, hierauf Stolz zu sein." Da muss ich sagen, ich denke nicht besonders hoch von dieser Art Journalismus. Ehrlich, mit den Mitteln der Verleumdung und der Rabulisterei wird er der AfD jedenfalls nicht beikommen.
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Klomb

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33

18.09.2017, 13:26

Soviel zur AfD... widerlich, dieser Alt-Nazi!
Alexander Gauland ist Jahrgang 1941, kann deswegen also kein Altnazi sein. Altnazi nennt man nämlich jemanden, der schon vor dem Zusammenbruch 1945 und unbeeindruckt von ihm nationalsozialistischen Ideen anhängt. Neonazis sind hingegen diejenigen, die erst nach Kriegsende diese Ideen hegen. Insbeseondere ist die AfD die erste auf Bundesebene erfolgreiche Parteineugründung, die ohne Altnazis stattfand!

Der wichtigste ist wohl: Mit der AfD käme es wieder zu wirklichen Debatten im Bundestag, es würden wieder unangenehme Fragen an die Regierung gestellt, also das, was eigentlich die Aufgabe eines Parlamentes ist und das uns in Deutschland ziemlich vollständig abhanden gekommen ist.
Die Kunst des Debattierens ist abhanden gekommen, weil die Kunst des schlüssigen Argumentierens weniger gepflegt wird und man nicht mehr so gerne in logischen Zusammenhängen denkt; eine Art "Entmathematisierung", die übrigens schon mit Luthers Verdammung des scholastischen Denkens ihren Anfang nahm. Obwohl zwar der AfD gut beizukommen wäre, imdem man diese Kunst des Debattierens und Denkens wieder zur Blüte brächte, sehe ich nicht, daß die Politiker der anderen Parteien dazu imstande sind, denn sie sitzen alle in derselben Orientierungslosigkeit: Eine CDU, in der Kirchgänger die Minderheit sind, sozialistische Parteien, die nicht mehr an den Sozialismus als Gesellschaftsform glauben, Liberale, die den Sozialstaat rühmen.

Daran wird sich auch nichts ändern, solange der Anschein, mit 140 Zeichen Unterstellungen und Schmähungen mehr überzeugen zu können, als mit einer eigenen Überzeugung, sich noch nicht abgetragen hat.

Eine Opposition haben wir in Wirklichkeit überhaupt nicht mehr. Wenn man sich vorstellt, dass Angelas Flüchtlingspolitik, die unser Land grundstürzend verändert hat und noch weiter verändern wird, im Bundestag nicht einmal debattiert wurde! Ist das demokratisch?
Da muß man fairerweise sagen, daß die Demokratie nicht ausgelegt ist auf politische Fragen, die kaum einen Bürger betreffen und daher auch kaum Interesse finden. Daher hat man die fragilen flüchtlingspolitischen Regelungen, die 2015 in Kraft waren und so unkoordiniert von der Bundesregierung angewendet wurden, nicht rechtzeitig ausreichend debattiert. Es ist ein blinder Fleckt der Demokratie.
Daran wird sich auch nichts ändern, solange der Antrieb unseres politischen Geschäfts nicht Schönheit und Gerechtigkeit orientierter Regelungen sind, egal wie abstrakt sie für den Bürger sind, sondern nur der konkrete kurzfristig erwartete Nutzen für ihn.

Ich finde gerade das noch das Beste was Angela gemacht hat.
Was hat sie denn gemacht? Ich empfehle dringend das Buch Die Getriebenen, um nicht einer plumpen Lüge anzuhängen. Frau Merkel hat nichts gemacht und auch nichts entschlossen, sondern immer nur unangenehme Enscheidungen abgewimmelt, bis man nicht mehr anders konnte, weil die Zeit für geplantes Handeln abgelaufen war. So etwas wird sich in den nächsten 4 Jahren bei neuen Krisen wiederholen, da ja dieses Personal wohl im Amt bleibt.

Also es kommen noch 5 Mio. Zuwanderer. Haben wir genug Fahrräder für die ganzen jungen afrikanischen Männer?
Fahrräder kann man schnell und zahlreich nachproduzieren. Es werden eher die Frauen knapp, da besagte 5. Mio "Zuwanderer" wohl kaum alle zu Keuschheitsgelübden berufen fühlen. Ich weiß nicht, wie man so zynisch sein kann, so gleichgültig mit unkoordinierten Regelungen und Anreizsetzungen umzugehen, die sowohl Einheimischen wie Zureisenden nur Probleme machen.
Übrigens sind keine echten Zuwanderer, die laut dem Asylantrag, zu dem sie faktisch genötigt werden, nur um temporären Schutz vor politischer Verfolgung nachsuchen. Echte Zuwanderer, die dafür ein Visum beantragen oder aus der EU kommen, haben wir nur ganz wenige und es werden auch nur wenige sein, weil nur wenige realistische Aussicht haben, ihre Fähigkeiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu ausreichend Geld zu machen, daß sich die Umsiedlung lohnt. Man muß sich dieses Lügengeflechts bewußt sein.
Man kann z.B. schon lange aus Afrika ein Studentenvisum beantragen, wenn man als Sicherheit ein paar 1000 € hinterlegen kann, eine geeignete Qualifikation hat und für den Lebensunterhalt zum Studium aufkommen kann. Dank Gesetzesänderungen im "blinden Fleck der Demokratie" kann man aber auch die 1000e € einem kriminellen Schlepper in den Rachen werfen, sein Leben im Schlauchboot riskieren und dann als Asylbewerber auf BAFöG studieren. Was wird wohl geschehen? Ist das gut? Sollen wir diejenigen am Wahlsonntag belohnen, die solche Gesetze gemacht haben?

Die Stärke unseres Staatsform, der "indirekten Demokratie", liegt doch genau darin, dass es keine Demokratie in des Wortes bittlichster Bedeutung ist. Sie beruht nicht auf imperativen sondern auf freien Mandaten. Denn ich werde gewählt, damit ich eigenverantwortlich handele, nicht damit ich als Hampelmann meinen Wählern nach dem Munde rede und dem Volk zu Gefallen handele
Wenn Sie "Die Getriebenen" gelesen haben, dann kommen Sie zu dem Schluß, daß es den Regierungspolitikern wirklich nur darum geht, dem Volk zu Gefallen zu handeln. Sie haben nicht eine Orientierung, nach der sie bestrebt sind zu handeln, und die sie entsprechend in die demokratischen Kompromißverhandlungen einbringen würden, selbst wenn es einigen Wählern nicht schmeckt. Wir werden also tatsächlich von Hampelmännern regiert.

El Dakhel

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34

18.09.2017, 20:34

Fahrräder kann man schnell und zahlreich nachproduzieren. Es werden eher die Frauen knapp, da besagte 5. Mio "Zuwanderer" wohl kaum alle zu Keuschheitsgelübden berufen fühlen. Ich weiß nicht, wie man so zynisch sein kann, so gleichgültig mit unkoordinierten Regelungen und Anreizsetzungen umzugehen, die sowohl Einheimischen wie Zureisenden nur Probleme machen.
Haha! Die Frauen müssen die Kinderwagen schieben. Die Männer fahren mit dem Fahrrad herum. Ich hab noch gar keine Frauen von denen auf dem Fahrrad gesehen. Der mir gestern mit dem Fahrrad begegnete, den habe ich heute mit einer jungen Landsmännin gesehen, und da gibt es hier auch viele. Wie ist denn das Verhältnis Männer-Frauen unter den Ab-2015-Neu-zu-uns-Gekommenen aktuell? 2:1 ärgstenfalls? So wild ist das nicht. Besonders nicht, wenn man dazu noch bedenkt, dass es in D. (82 Mio. Ew.) keine Apartheitsvorschriften gibt. Und gesetzt, es wäre numerisch ein Problem: 99% von denen, die keinen Partner haben, leben notgedrungen so, oder umständehalber, jedenfalls nicht aufgrund eines Gelübdes. Von denen gibt es allein in D. Millionen!! Es ist eine Lebensrealität vieler junger Menschen in den Industrieländern (männliche Singles in japanischen Großstädten wäre auch ein schönes Stichwort) So, was passiert mit den Jungs? Bekommen die dann Hengstmanieren, werden die dann Wildlinge; kommt es zum Raub der Sabinerinnen? Das glaubt noch nicht mal Alice Schwarzer mit ihren Vorurteilen. Oh, das Thema ist schon so alt und hat mehr mit Phantasien als mit Realitäten zu tun. Solche Steig' auf d' Leut will doch keiner hier haben, das sind aber krasse Ausnahmefälle. Wer keine Frau findet für den geht das Leben auch (normal) weiter. Und dabei gibt es wie gesagt nicht mal Grund für solche Sorgen.

Klomb!! Es gibt nicht nur Probleme!
Und auch Du musst lernen den Rock der Kanzlerin zu respektieren!
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herzrosenduft

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35

19.09.2017, 09:13

Hat jemand gestern den Schulz im Fernsehen gesehen? Der gibt noch mal richtig Gas vor der Wahl und macht riesige Wahlversprechen... das zieht... allerdings wird er nicht konkret, sondern bedient nur die Unzufriedenheit der Menschen... der eigentlichen Problematik der Dinge wird er damit nicht gerecht.
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„Dieser verwirklicht sich in einer Form
aufrichtiger und offener, verantwortungsvoller und dem anderen gegenüber
respektvoller Kommunikation“.

herzrosenduft

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36

19.09.2017, 09:17

Der FDP-Lindner ist auch nicht besser... "Eine Regierungskoalition mit der FDP und der CDU gibt es nur, wenn die FDP den Finanzminister stellen wird." ... das ist reine Gimpelfängerei... Schäuble ist unbeliebt in der Bevölkerung, und viele möchen ihn abwählen können. Da kommt diese Ankündigung der FDP, und das bringt die Partei ins Interesse und in den Blickpunkt des Wählers. ...
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Der Papst betont die Wichtigkeit eines „christlichen Stils“ der Präsenz auch in der digitalen Welt:

„Dieser verwirklicht sich in einer Form
aufrichtiger und offener, verantwortungsvoller und dem anderen gegenüber
respektvoller Kommunikation“.

Mystiker

Fortgeschrittener

37

19.09.2017, 17:38

Zur AFD:

Es gab im Deutschland nach dem 2.WK. - wie in vielen anderen Staaten - immer schon ein rechtsextremes Potential von bis zu 10%. (Es gibt Studien, die von höheren Zahlen ausgehen, je nachdem wie man den Begriff Rechtsextremismus definiert).

Ich habe mich in meinem Politikstudium mit dieser Thematik schwerpunktmäßig beschäftigt, damals v.a. mit dem französischen Front National u. der österreichischen FPÖ.

Die Anhänger rechtsextremistischer Parteien sind Menschen mit einer grundsätzlich kritischen Einstellung zur Demokratie (Ruf nach dem “starken Mann”, Führerkult), Nationalismus, Angst vor dem Fremden (Xenophobie), Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Verherrlichung von Krieg u. Gewalt, Militarismus, einer überzogenen Kritik an freien Medien (“Lügenpresse”), Verharmlosung oder Leugnung des Holocaust, Forderung nach einer Beendigung der Schuldbewältigung u. des Gedenkens an die NS-Opfer, Angst vor dem Neuen, der Postmoderne, einer komplexer werdenden Welt.


Es sind Menschen, die entweder ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild haben oder einige der oben aufgeführten Positionen vertreten.

Sie sehnen sich in einer komplexer werdenden Welt, im Zeitalter der Globalisierung, nach einfachen Antworten u. einem “starken Mann”, der “aufräumt” u. alle Probleme lösen soll.

Bisher haben die rechtsradikalen u. rechtsextremen Parteien Nachkriegsdeutschland nur wenige u. nur zeitweise oder lokale Erfolge gehabt. Sie waren außerdem gesellschaftlich geächtet u. wurden ausgegrenzt.

Mit der Gründung von AFD u. Pegida, hat sich das grundsätzlich geändert.

Die von Lucke u. Henkel gegründete, ursprünglich wirtschaftspolitisch ausgerichtete EU-kritische Partei, radikalisiert sich immer mehr (von Lucke zu Petry, zu Gauland, Höcke), u. ist zu einem Sammelbecken für rechtsextreme, ausländerfeindliche u. sozial “Abgehängte”, v.a. in den Neuen Bundesländern, geworden, erzielt z.T. zweistellige Wahlergebnisse u. wird in den deutschen Bundestag einziehen.

Der Kern ihrer Anhängerschaft hat eine geschlossene rechte Weltanschauung u. lässt sich auch von Skandalen u. Personalquerelen nicht beeinflussen.

Dazu kommt ein mehr oder weniger großes Potential von “Abgehängten” oder Menschen, die sich so fühlen, oft von geringem Bildungsstand, die nicht mehr verstehen, was in einer immer komplexer werdenden Welt vor sich geht, die die Vergangenheit verklären, von Unzufriedenen, Politikverdrossenen, Protestwählern oder sozial Schwachen, die von der Politik in der Tat im Stich gelassen werden.

Ich bin entsetzt, dass im Nachkriegsdeutschland mit der AFD zum ersten Mal eine rechtsextreme Partei “salonfähig” geworden ist. Sie wird von der Mehrzahl der Medien verharmlosend “rechtspopulistisch” genannt, ein Begriff, den es früher so gar nicht gab u. ganz selbstverständlich zu TV-Wahlsendungen eingeladen. Sogar Wahlkampfreden werden übertragen. Man meint, die AFD “entzaubern” zu können, in dem durch ihre Medien-Auftritte deutlich werden soll, dass sie keine durchdachten Konzepte hat. Man erreicht das Gegenteil. Der Großteil ihrer Wähler lässt sich davon nicht beeinflussen, u. ihre Ideen u. Themen bekommen eine Plattform.

Die AFD ist ein Wolf im Schafspelz u. außerordentlich gefährlich. Sie agiert taktisch, arbeitet dabei mit falschen Zahlen, u. sagt in der Öffentlichkeit nicht das, was sie wirklich tun würde, wenn sie an der Regierung wäre. Mit der AFD haben die Rechten endlich eine gesellschaftlich akzeptierte Partei gefunden, in der sie weitgehend ungestört agieren können, wenn man auch berücksichtigen muss, dass längst nicht alle rechtsextrem eingestellten Wähler, ihr Kreuz bei der AFD machen.

Aussagen einzelner Amts-Vertreter zeigen, was viele ihrer Mitglieder u. Wähler denken (u.a. Holocaust-Denkmal eine Schande, Ende der NS-Vergangenheitsbewältigung, Stolz auf die Leistungen der Soldaten in den beiden Weltkriegen, Hetze gegen Flüchtlinge u. Ausländer, deutsche Flüchtlingsbeauftragte türkischer Herkunft in Anatolien “entsorgen“, z.T. Nazisprache). Wie wird wohl erst hinter den Kulissen, an den Stammtischen ausgesprochen werden, was man sich öffentlich (noch) nicht traut.

Schon die AFD in der jetzigen Form hat antidemokratische Tendenzen (Sympathie für Autokraten), ist nationalistisch (“Deutschland zuerst”, EU-Kritik), ausländerfeindlich (Flüchtlinge, Islam), kritisiert die Pressefreiheit (“Lügenpresse“), Hass u. Gewalt in der Sprache, Verunglimpfung anderer Politiker u. einzelne Amtsträger verharmlosen den Nationalsozialismus. Man braucht kein Hellseher zu sein, um vorauszusagen, dass die AFD immer radikaler werden wird. Wehret den Anfängen!

Für einen überzeugten Katholiken ist eine solche Partei - nach meiner Überzeugung - nicht wählbar, u. ich bin entsetzt, wie viel Resonanz die AFD oder ihre Ideen unter den konservativen Katholiken in den sozialen Netzwerken bekommen, u.a. bei Facebook u. in den User-Kommentaren zu den Artikeln von kath.net.



Dazu einige Bemerkungen aus christlicher Sicht:

1.) Als Christ ist man zur Solidarität mit den Armen dieser Welt verpflichtet, die vor Krieg, Verfolgung u. Hunger flüchten, wie auch Papst Franziskus immer wieder betont. Nationalismus ist ein kollektiver Egoismus u. widerspricht der Nächstenliebe. Wir sind die Reichen dieser Welt, die versuchen müssen, durch ein “Nadelöhr” in den Himmel zu kommen.

2.) Als die vielen Flüchtlinge an den dt. Grenzen standen, war es ein Gebot der Nächstenliebe, sie aufzunehmen. Es gab keine andere Möglichkeit. Freilich hätte man sich früher um das Problem kümmern u. eine europäische Lösung finden müssen, denn jahrelang hat man Italien u. Griechenland mit den Flüchtlingen allein gelassen, nur weil sie zufällig eine Außengrenze der EU haben (Mittelmeer) u. den Flüchtlingen zu wenig Ort geholfen (Entwicklungshilfe).

3.) Die Angst vor einer “Überflutung” durch den Islam ist vollkommenen überzogen. Es wird in der Debatte mit z.T. abenteuerlichen Zahlen u. Spekulationen gearbeitet. Wenn das Christentum bei uns gefährdet ist, dann nicht durch die paar Prozent Moslems, sondern durch die Christen selbst, die nicht mehr wirklich christlich leben. Vielleicht können wir uns von den Moslems sogar “abschauen“, wie ernst sie ihren Glauben im Alltag nehmen u. leben.

4.) Mit den vielen Flüchtlingen sind in der Tat auch Gewalttäter u. Terroristen nach D. gekommen, aber das sind nur ganz wenige Einzelfälle, genauso wie es in jedem Land - statistisch gesehen - eine bestimmte Anzahl Krimineller gibt.

5.) Nur ein Bruchteil der Moslems sind radikale Islamisten!

6.) Die "Begeisterung" vieler konservativer Katholiken für Putin u. Trump ist für mich nicht nachvollziehbar. Es wird dabei oft übersehen, dass Putin ein ehemaliger KGB-Offizier ist, der keine Skrupel kennt.

7.) Bei aller berechtigten Kritik an der EU - es läuft m.E. vieles falsch - es gibt kein Zurück. Wir müssen uns für eine bessere EU einsetzen.

8.) Wir leben in der Postmoderne. Die Welt wird immer komplexer. Es gibt kein Zurück in eine frühere Zeit. Das muss man akzeptieren, das Beste daraus zu machen versuchen, u. daran arbeiten, die Welt gerechter zu machen.


Die AFD ist eine Schande für Deutschland! Es ist eine Schande, dass sie in den dt. Bundestag einziehen wird.
Meine neue FB-Homepage mit eigenen christlichen Gedichten, Gebeten u. spirituellen Fotos, auch aufrufbar ohne FB-Registrierung: https://www.facebook.com/gedichteundgebete/

Klomb

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38

22.09.2017, 09:36

Der FDP-Lindner ist auch nicht besser... "Eine Regierungskoalition mit der FDP und der CDU gibt es nur, wenn die FDP den Finanzminister stellen wird." ... das ist reine Gimpelfängerei... Schäuble ist unbeliebt in der Bevölkerung, und viele möchen ihn abwählen können. Da kommt diese Ankündigung der FDP, und das bringt die Partei ins Interesse und in den Blickpunkt des Wählers. ...
Nein, denn daß 2009 Westerwelle das Amt des Außenministers (auch genannt "Minister für touristische Dienstreisen in reiche Länder") wichtiger war als das des Finanzministers, hat viel Unmut unter FDP-Anhängern ausgelöst, weil so das Wahlversprechen von Steuersenkungen unmöglich durchsetzbar wurde. Tatsächlich ist in 12 Jahren Merkel-Kanzlerschaft keine einzige Steuer gesenkt oder abgeschafft worden, stattdessen wurden mehrere neue Steuern eingeführt.

Als die vielen Flüchtlinge an den dt. Grenzen standen, war es ein Gebot der Nächstenliebe, sie aufzunehmen.
Hast Du denn Flüchtlinge aufgenommen? Ich für meinen Teil sehe das ganze Problem darin, daß der Staat die Flüchtlingsaufnahme organisiert. Wenn es die Bürger für die Aufnahme eintreten würden, würde sich von selbst regeln, daß nie zuviele auf einmal hierher kommen, denn wer macht sich schon auf eine Reise, wenn er nicht weiß, ob er am Zielort aufgenommen werden kann? Durch den Staat können die reisenden Glücksritter darauf rechnen, denn notfalls schickt er die bewaffneten Geldeintreiber bei den Einheimischen vorbei.

Freilich hätte man sich früher um das Problem kümmern u. eine europäische Lösung finden müssen, denn jahrelang hat man Italien u. Griechenland mit den Flüchtlingen allein gelassen, nur weil sie zufällig eine Außengrenze der EU haben (Mittelmeer) u. den Flüchtlingen zu wenig Ort geholfen (Entwicklungshilfe).
Ja, gäbe es Italien, Griechenland und Spanien nicht, würden die Leute sowieso ankommen. Insofern ist es eher trügerisch, hier ein europäisches Problem zu sehen. Es ist ein Problem allein zwischen Deutschland und den Glücksrittern.

Vielleicht können wir uns von den Moslems sogar “abschauen“, wie ernst sie ihren Glauben im Alltag nehmen u. leben.
Nein, überhaupt nicht, religiöse Gesetzlichkeit wie im Islam wurde durch Jesus Christus ja gerade überwunden.

Die AFD ist eine Schande für Deutschland! Es ist eine Schande, dass sie in den dt. Bundestag einziehen wird.
Also ich finde freie Wahlen so gut, daß mir auch Mandate für mißliebige Parteien es wert sind.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Klomb« (22.09.2017, 09:47)


Mystiker

Fortgeschrittener

39

22.09.2017, 12:27

Meine neue FB-Homepage mit eigenen christlichen Gedichten, Gebeten u. spirituellen Fotos, auch aufrufbar ohne FB-Registrierung: https://www.facebook.com/gedichteundgebete/

Mystiker

Fortgeschrittener

40

22.09.2017, 13:25

Ja, gäbe es Italien, Griechenland und Spanien nicht, würden die Leute sowieso ankommen. Insofern ist es eher trügerisch, hier ein europäisches Problem zu sehen. Es ist ein Problem allein zwischen Deutschland und den Glücksrittern
Ich finde es unangemessen, Menschen, die vor Krieg, Bürgerkrieg, Terror, staatlicher Verfolgung durch Dikataturen, unwürdigen Lebensbedingungen u. großer Armut, die kaum zum Überleben reicht - fliehen, als "Glücksritter" zu bezeichnen!

Das Gebot der Nächstenliebe bezieht sich nicht nur auf Menschen der eigenen Nation, sondern auf alle Menschen auf dieser Welt. Für Gott gibt es die von Menschen gezogenen Grenzen nicht.

Die Geschichte u. Gott werden einmal über die Einstellung u. das Verhalten jedes einzelnen Menschen richten:

Mt. 25:

31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm,
dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
32 Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie
voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.
34 Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr
von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der
Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.
35 Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und
ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr
habt mich aufgenommen; 36 ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt
mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.
37 Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig
gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken
gegeben?
38 Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?
39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
40 Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen
meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
41 Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen
sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den
Teufel und seine Engel bestimmt ist!
42 Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; 43 ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war
nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im
Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht.
44 Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder
durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen
und haben dir nicht geholfen?
45 Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser
Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.
46 Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart.LK 10:

LK 10:

30 Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab
und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen
ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen.
31 Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter.
32 Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter.
33 Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid,7
34 gingzu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob
er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für
ihn.
35 Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte:
Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir
bezahlen, wenn ich wiederkomme.
36 Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde?
37 Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart.
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